Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1691102
Dritte Periode. 
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Kirche von Issoir e, 1 in der die Kapitäle von vier Chorsäulen mit Stuck 
umkleidet wurden, worin man figürliche Sculpturen von thunlich würdi- 
gerem Style ausarbeitete. 
England. 
In England hatte die bauliche Thätigkeit des 12. Jahrhunderts für 
bildnerisches Schaffen 2 nur einen geringen Erfolg. Die Arbeiten sind 
wenig zahlreich, zumeist unförmlich roh, in besseren Fällen nur zur star- 
ren Strenge entwickelt. Zum grössern Theil sind es Portallünetten, auch 
anderweitiger Portalschmuck, in symbolisch dekorativer Fassung oder in 
selbständig figürlicher Darstellung. Mehrfach kommen Darstellungen des 
hl. Georg vor: in den Portallünetten der Kirchen zu Fordinogton (Dor- 
setshire), Pitsford (Northamptonshire), Stoneleigh (Warwiksh), Ruer- 
dean (Gloueestersh). Die letztere wird als eine schon belebtere Arbeit 
bezeichnet; ob sie etwa bereits der romanischen Schlussperiode angehört, 
erhellt aus den Vorlagen nicht. Andres an den Kathedralen von Ely, 
Rochester, u. s. w. Zum Theil sind es sculptirte Taufsteine, zu Da- 
rent, in der Kathedrale von Winchester, zu East-Meon (Hants), 
Ooleshill (Warwiksh), u. s. w.  Zwei Tafeln in der Kathedrale von 
Ohichester mit Scenen aus der Geschichte des Lazarus 3 geben vorzüg- 
lich bezeichnende Beispiele einer rohen, starr geschnittenen Behandlung 
im Charakter der Zeit. 
Itali 
In Italien erscheint eine sculptorische Thätigkeit von zumeist roh na- 
turalistischem Charakter. Mit sehr unbehülflichen Anfängen, selten durch 
ein Gesetz architektonischer Strenge, durch byzantinisirenden Einfluss, 
durch leisen Anhauch der Antike gezügelt, haben diese Arbeiten doch 
zum Theil eine gewisse Freiheit des Natursinnes, die sie als entwicke- 
lungsfähige bezeichnet. Die Namen der Verfertiger werden in der Regel 
durch Beischriften genannt, oft mit Worten des Ruhmes, die ihren Lei- 
stungen allerdings wenig entsprechen, die aber in der That fast wie ein 
Unterpfand dessen klingen, was die italienische Kunst nach der fort- 
dauernden Arbeit von Jahrhunderten erreichen sollte. 
Mehreres gehört der Lombardei an. Die Sculpturen, welche die 
Fagade der Dome von Modena und Ferrara und der Kirche S.Zen0ne 
zu Verona schmücken, zeigen manches Uebereinstimmende , zum Theil 
in fortschreitender Ausbildung; zu Modena wird ein Meister Wiligel- 
Inus genannt, zuiFerrara Nicolaus, zu Verona Guillelmus und Ni- 
colaus, vielleicht dieselben Personen wie die beiden vorigen. Die Ar- 
beiten zu Modenaf Scenen der Schöpfungsgeschichte und Aehnliches, 
 
1 Mallay, essay sur les äglises etc. du Däpart. Puy-du-Döme, pl. 13 ff.  
2 Vergl. Bloxam, die mittelalterliche Kirchenbaukunst in England, S. 70, 9Q.  
3 Labarte, handbook of the arts of the middle ages, p, 5, f.  4 Vergl. Olcog- 
nara, stur. della. scultura, I, t. 7  Düägincourt, Sculphlf, t- 21  Denkm- 
der Kunst, T. 48 
        

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