Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1691094
478 
Die Kunst des romanischen Siryles. 
zac 1 (Dep. Gironde), mit symbolisch ornamentistischer, auf die Apoka- 
lypse bezüglicher Darstellung, wo das Figürliche in schauerlichen Miss- 
formen gebildet ist.  Sodann die Lünette des Hauptportals der Abtei- 
kirche von Conques 2 mit einem höchst figurenreichen Relief, wohl dem 
Hauptwerke der französischen Sculptur dieser Zeit. Es stellt das jüngste 
Gericht dar: der Salvator in der Glorie, Engel über ihm, die Seligen und 
die Verdammten zu seinen Seiten, unten Paradies und Hölle. Fassung 
und Behandlung haben hier den starren Styl, der die Epoche des 12. Jahr- 
hunderts im Allgemeinen charakterisirt: doch kommt es" in den Teufel- 
Darstellungen schon zu keck lebendigen Motiven.  Ein Altar in der 
Kirche zu Avenas 3 (Dep. Saöne-et-Loire), mit derDarstellung des thro- 
nenden Erlösers und der Apostel, zeichnet sich durch eine allgemein _wür- 
devolle Fassung aus. 
Auf sehr ausgedehnte Weise bethätigt sich die französische Sculptur 
dieser Zeit, wie schon bei einzelnen Monumenten des 11. Jahrhunderts, 
an den Säulenkapitälen, denen man, um den ästhetischen Ausdruck 
 ihres baulichen Zweckes wenig sor- 
gend, mit Vorliebe eine derartige Aus- 
  ' stattung giebt. Biblische, symboli- 
 f. ßgäär-Vlllh, sche, dekorativ phantastische Darstel- 
 TV  viljflr lungen wechseln an ihnen in man- 
      nigfaltigster Folge. Doch macht sich 
      hiebei kaum irgendwo eine selbstän- 
 '14   dig künstlerische Kraft bemerklich; 
"hggg  H,  die Arbeiten sind zumeist roh, schwer- 
  fällig, ungefüg, auch die traurigsten 
lßßfiäljil  w"  Missgeburten werden bereitwillig ge- 
   duldet. So sind z. B. die Säulen des 
JÜ   P  i  Prachtportals von St. Georges zu 
  l Bocherville4 mit entsetzensvollen 
  q, Gebilden der Art, welche doch den 
 lllriä, heiligsten Inhalt haben, geschmückt. 
 IQ Nur wo es galt, das Diabolische zum 
Wfllllhvü '11.  Ausdruck zu bringen, kommt über 
  diese missgebornen Gestalten zuweilen 
Kritaktisäezäiäisäigsrrq;am' (Äfänäi-ZiillfkLiiiiiscliiiinsoselilii 
 eins der Kapitale in der Abteikirche 
von Vezelay 5 eine Darstellung der Verehrung" des goldnen Kalbes und 
auf letzterem eine grausige Dämonengestalt, der es an sprechendster 
Energie nicht fehlt.  In der Auvergne ist dieser unerfreuliche bild- 
nerische Schmuck besonders häufig. Dass man hier aber in der späteren 
Zeit des 12. Jahrhunderts der Barbarei genug hatte, bezeugt u. A. die 
1 De Oaumont, a. a. 0., p. 179.  2 Voy. pitt. et rom., a. a. O.  3 De 
Caumont, a. a. 0., p. 206.  4 A. Deville, essay hist. sur Päglise de St. Georges- 
de-Bocherville, pl. 3.  5 Viollet-le-Duc, dietionnaire rais. de Parchitecture franc. 
II, p. 489.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.