Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1690857
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Styles. 
Kunst des romanischen 
Die 
entspricht. S0 die Thürme der (in gothischer Zeit erneuten) Kathedrale 
von Exeter und die Facade der Kathedrale von Lincoln, deren Massen 
mit den Schmuckformen jener Schlusszeit reichlich bekleidet sind. 
Von besonderer Bedeutung sind schliesslich die festen Schlösser, 
welche von den normannischen Grossen zur Sicherung ihrer Herrschaft 
in dem eroberten Lande und zum Zeugniss ihrer glanzvollen Stellung er- 
richtet wurden, mächtige Viereckmassen, durch Wandpfeiler und Eck- 
thürme gefestigt, an den geeigneten Stellen des Aeussern und" namentlich 
des Innern mit den üblichen Schmuekformen in grösserem oder geringe- 
rem Reichthum bekleidet. Es ist eine namhafte Zahl derartiger Reste 
erhalten. Porchester Oastle ist eine ausgedehnte, besonders alter- 
thümliche, auf römischem Grundbau errichtete Anlage. Norwich Castle 
ist das machtvollste dieser Gebäude, zugleich im Aeussern durch den Schmuck 
von Wandarkaden-Geschossen vorzüglich ausgezeichnet. New castle upon 
Tyne hat im Innern zierliche Schmucktheile, Ludlow Oastle (in Shrop- 
shire) eine, gleichfalls mit zierlicher Ausstattung versehene Rundkapelle 
u. s. w. 
Nach Schottland wurde der englische Ärchitekturstyl des 12. Jahr- 
hunderts unmittelbar übergetragen. Die älteren Reste des Klosters von 
Inchcolm an der Mündung des Forth, um 1123 gegründet, werden als 
ein derartiges Beispiel von noch schlichter Strenge bezeichnet. Die Ka- 
thedrale von Kirkwall auf der Orkney-Insel Pornona, um 1136 gegrün- 
det, zeigt in ihren älteren Theilen einen Anschluss an das Chorsystem 
der Kathedrale von Peterborough, doch in roherer Behandlung. Das 
Schiff der Abteikirche von Dunfermline folgt genau dem System der 
Kathedrale von Durham. 
Irland verharrte wie früher, so auch im 12. Jahrhundert noch auf 
geraume Zeit in seiner urthümlichen Bauweise; Doch blieb das Beispiel 
der grossartigeren monumentalen Unternehmungen Englands nicht ganz 
ohne Einfluss. Schon in der ersten Hälfte des Jahrhunderts kündigen 
sich die Versuche an, Aehnliches zur Ausführung zu bringen. Erzbischof 
Malachias (gest. 1148) unternahm zu Banger den Bau einer Kirche, die 
auf erhöhte monumentale Wirkung berechnet war, freilich zum lebhaften 
Unwillen seiner Landsleute, welche die heimische Sitte gewahrt wissen 
wollten und ihm den Ruf: "Iren sind wir, nicht Gallier!" entgegentrugen. 
Bedeutendere Einwirkungen von englischer Seite mussten sich geltend 
machen, als Irland durch Heinrich II. von England, 1171, erobert war; 
aber auch nach dieser Epoche konnten sie nur allmählig zur Geltung 
kommen. Heinrich empfing die Huldigung der Ueberwundenen noch in 
einem zu diesem Behufe errichteten prächtigen Holzpalast, welcher in der 
heimischen Bauweise ausgeführt war. 
Zunächst scheint das englische Beispiel Veranlassung gegeben zu 
haben, dem Steinbau überhaupt nur eine lebhaftere Pflege, eine mehr 
schmuckreiche Ausstattung zu widmen. Vielleicht in absichtlichem Ge- 
gensatze gegen das englische Muster wählte man hiezu vorerst die de- 
korativen Formen, welche in der heimischen Kunst (im Holzbau aller Vor-
        

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