Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1690759
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Die Kunst des 
romanischen 
Styles. 
von Moissac. Der hiemit bezeichneten Epoche gehören aber nur Theile 
desselben an", namentlich etwa die Pfeiler, an denen man schlicht rund- 
bogige Säulennischen als Einschluss an Relieffiguren ausgemeisselt sieht. 
Das Uebrige ist spätestromanischer Umbau; (vergl. unten). 
Einige Monumente des Districtes von Bordeaux lassen, abweichend 
von den sonstigen Stylrichtungen des Südwestens, in der Anwendung von 
Zikzakbögen und ähnlichen Elementen einen normannisch-englischen Ein- 
fluss erkennen, ein Zeugniss der englischen Herrschaft in der zweiten 
Hälfte des 12. Jahrhunderts. Zu Bordeaux gehören hieher ein Kloster- 
hof von St. Severin und die Facade von Ste. Croix; anderweit die Faca- 
den der Kirchen von Loupiac und von Aillas. 
Die verschiedenen Systeme des Südwestens finden in der Schluss- 
iepoche des romanischen Styles weitere, zum Theil sehr reiche Entfaltun- 
gen. Zu diesen gehört ein prunkvoller Fagadenbau, der vornehmlich 
den Monumenten des Poitou ein sehr eigenthümliches Gepräge giebt. 
(Vergl. unten).  
Die Monumente der Bretagne halten, in einer düsteren Schwere, 
in einer barbaristischen und abenteuerlichen Ornamentik, denjenigen Cha- 
rakter fest, welcher als eigenthümlicher Ausdruck des bretonisch-keltischen 
Volkscharakters erscheint. Zu nennen sind: im Dep. Finistere eine Säu- 
lenbasilika zuFouesnan; Reste einer Kirche zu Landevennec, an 
dcn Säulenkalaitälen mit dem Ornament eines wüsten Bandgeschlings; die 
Kirche zu Loetudy, eine auf Kreuzgewölbe eingerichtete Pfeilerbasilika, 
(wohl nach 1187);  im Dep. Morbihan die Reste von St. Gildas-de- 
Rhuys und die alten Theile von St. Aubin zu Guerande, mit schwer- 
fälligen Rundpfeilern;  im Dep. Cötes-du-Nord die alten Theile der 
Kirche St. Sauveur zu Dinan, die aber schon die Spätepoche verrathen. 
 Sehr eigenthümlich ist die Kirche St. Croix zu Quimperle (Fini- 
stere). Sie bildet einen von einem Kreuzeidurchschnittenen Rundbau, mit 
vier starken Pfeilermassen im Inneren, die, wie die Wände, vielfach mit 
Halbsäulen besetzt sind. Die dekorirenden Details sind barbaristisch spie- 
lend, besonders die der verschiedengestalteten Basen der Halbsäulen; 
Einzelmotive deuten aber auch hier, trotz der schweren Gesammterschei- 
nung, schon auf die jüngere Zeit des Jahrhunderts. 
Die Normandie ist für die Ausbildung der nordfranzösischen Ar- 
chitektur im Laufe des 12. Jahrhunderts von vorzüglich ausgezeichneter 
Bedeutung. Die von hier ausgegangene Eroberung Englands, die dorti- 
gen grossen und schmuckvollen baulichen Unternehmungen, während 
beide Länder in andauernd enger Verbindung blieben, mussten auf 
die monumentale Thätigkeit der Normandie eine bedeutende Rückwir- 
kung ausüben. Man war bemüht, Aehnliches zu schaffen wie in dem 
Insellande; aber man hielt gleichzeitig die Kräfte energischer zusammen 
und strebte einer mehr geschlossenen Durchbildung nach, als es jenseits 
des Kanales der Fall war. In der That zeichnen sich die Monumente
        

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