Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1690739
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Kunst des romanischen 
Die 
Styles. 
findet sich in Perigord und den benachbarten Districten. Die Monumente 
sind zumeist einsehiffig, die Kuppeln von schweren Spitzbögen über vor- 
tretenden Wandpfeilern getragen, die Einzelformen in schlichter Strenge 
gebildet. Die Entwickclungsverhältnisse sind dunkel; die Grundzüge des 
Styls scheinen bereits um den Beginn des 12. Jahrhunderts festgestellt zu 
sein. Als älteste und strengste, später erheblich veränderte Beispiele sind 
die Kirche von St. Avit-Senieur, mit dem inschriftlichen Datum 111-7, 
und die Kathedrale von Cahors, bei der eine Altarweihe von 1119 be- 
zeugt ist, zu nennen. Andre Stücke ähnlichen Frühcharakters an der 
alten Kathedrale St. Etienne zu Perigueux, an 
i der Kirche von St. Astier und an der Kathedrale 
 von Angouleme, (die letztere in der Zeit zwischen 
 h?  1101 und 1136 begonnen, in ihren Haupttheilen 
Iiä 5; später.)  Bedeutender und von reicherer Planan- 
a1:   lage ist die Kirche St. Front zu Perigueux. Sie 
 wurde, mit Beibehaltung der schon (oben, S. 354) 
15'  besprochenen älteren Theile, nach einem Brande 
 Ä  von 1120 umgebaut und erscheint um 1178 als voll- 
  endet. llir Plan befolgt das Vorbild von St. Marco 
  zu Venedig, doch ohne die Arkaden zwischen den 
    Kuppelpfeilern, überhaupt ohne eine Annäherung an 
  .  m, die dortigen Details; stattdessen zeigt sich, bei vor- 
   wiegender Massenwirkung und durchgehend strenger 
Behandlung, ein antikisirendes Element, welches der 
Grundriss der Kathedrale gleichzeitigen architektonischen Richtung im Südosten 
von Caäßfjgnlffm" de von Frankreich entspricht, wie viel blühender sich 
dasselbe dort auch im Einzelnen entfalten möge. 
Was an den Absiden erhalten, zeigt, namentlich eine derartige Dekora- 
tionsweise; mehr noch der auf der Westseite sich erhebende Thurm, an 
welchem sich ein unbedingtes Zurückgehen auf antike Muster, doch mit 
eigen barbaristischer Zuthat und mit Anklängen an Bildungen, die ander- 
weit im zwölften Jahrhundert üblich sind, geltend macht.  Im weiteren 
Verlaufe des Jahrhunderts tritt an den Monumenten dieser Gattung eine 
mehr gegliederte Durchbildung ein, durch Halbsäulen, welche sich den 
Wandpfeilern vorlegen, wie an der Kirche von Brantöme, durch leich- 
tere Erhebung der Spitzbögen, wie an der Ruine der Kirche von B0- 
sehaud. Die letzte fällt aber jedenfalls schon in die Schlusszeit die- 
ser Epoche. (Ueber die spätern Entwickelungen dieses Systems s. unten.) 
Andre Monumente, zumeist in den Districten des Poitou und Anjou, 
haben das gewöhnliche System des Tonnengewölbes über dem Mit- 
telschitf, ohne selbständige Erhebung des letzteren und ohne Emporen 
über den Seitenschiifen, während diese theils mit Halbt0nnen-, theils mit 
Kreuzgcwölben, in einigen Fällen auch mit kleinen querliegenden Tonnen- 
gewölben bedeckt sind. Halbrunde Wölbungen scheinen zumeist auf 
frühere, spitzbogige auf spätere Zeit zu deuten. Der Ohorplan befolgt 
mehrfach das reicher entfaltete auvergnatische Muster. Ein besonders 
alterthümliches Beispiel, ohne SeitenschiEe, ist die im J. 1119 geweihte 
Kirche von Ronceray zu Angers. Ausgebildeter, mit rundbogigem Ton-
        

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