Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1690637
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des romanischen 
Die Kunst 
Styles. 
achteckigen und runden Pfeilern. Der Untertheil der Nordwand des Quer- 
schilfes am Dom von Cammin in Pommern, mit einfach schwerem Por- 
tale, gehört ebenfalls zu den ältesten Resten solcher Art. Auch einzelne 
schlichte Landkirchen aus Granitmögen noch der in Rede stehenden 
Epoche angehören.  Ein handlicheres Material gewährte der gebrannte 
Ziegel, dessen Anwendung in diesen Gegenden in den letzten Decennien 
des 12. Jahrhunderts beginnt. Die streng alterthümliche Klosterkirche 
von Krewese in der Altmark (seit 1157), die einen Wechsel von Säulen 
und Pfeilern zeigt, hat im Wesentlichen noch den massigen Granitbau, 
der sich indess schon mit dem Backstein dekorativ zu verbinden sucht. 
In reinem Backsteinbau ist wohl das frühste der vorhandenen Monumente 
der Art der Schiffbau des Domes zu Lübeck, vom Jahr 1170, eine mas- 
sige Gewölbanlage mit gleich hohen Schiffen, auf schmucklos schlichten 
viereckigen Pfeilern. Für noch älter galt die nicht mehr vorhandene 
Marienkirche auf dem Harlunger-Berge bei Brandenburg, 1 ein zweige- 
schossiger Viereckbau mit Absiden an jeder Seite und Thürmen über den 
Eckräumen; eine Kirche an dieser Stelle wird schon 1165 als vorhanden 
erwähnt. In der Technik des Ziegelbaues bildeten sich charakteristisch 
eigenthümliehe Formen aus; die Marien- oder Dammkirche zu Jüterbog 
und die Klosterkirche von J erichow enthalten, wie es scheint, die älte- 
sten Beispiele solcher Behandlung, die letztere, in ihren Haupttheilen 
wohl -noch dem um die Mitte des 12. Jahrhunderts ausgeführten Bau an- 
gehörend, 2 mit würfelartigen Kapitälen, deren Eckseiten (statt der im 
Steinbau üblichen Rundung) schräg abgeschnitten sind, eine im Zicgelbau 
dieser Gegenden zumeist beliebte Form. Aber diese ganze Stylgattung 
darf wesentlich der spätromanischen Epoche zugezählt werden; das Nähere 
daher im folgenden Abschnitte. 
Frankreich. 
In Frankreich empfängt das Wölbesystem  mit einem Tonnenge- 
wölbe über dem Mittelsehilf und mit Ilalbtonnengewölben über den Sei- 
tensehiffen,  das in den südlichen Districten-bereits_ im lLJaln-hnndert 
zur Anwendung gekommen war, erhöhte Ausbildung und wachsende Ver- 
breitung. Auch die Bedeckung der Innenräume durch Kuppeln findet 
Beifall, ebenso, obschon in selteneren Fällen, die Anwendung des Kreuz- 
gewölbes über denlHochräumen, während der Bau Hachgedeektei" Basili- 
ken sich auf engere Kreise (der nördlichen, und namentlich der nordöst- 
liehen Districte) einschränkt. In der Ausführung wird vorwiegend an 
klassischen Grundmotiven festgehalten, theils in strengerer Fassung, in 
unbedingter Wiederaufnahme der Formen des antiken Systems, theils in 
dekorativ freier, oft üppig spielender Behandlung. Oonsolengesimse bilden 
eine für das Aeussere besonders charakteristische Form, während Rund- 
1 Vergl. v. Minutoli, Denkmäler mittelalterl. Kunst in den Brandenb. Mar- 
ken.  v. Stillfried-Rattonitz, der Schwanenordcn, Ausg. 2.  F. Adler, Mittel- 
alter]. Backstein-Bauwerke. Heft I.  2 Vgl. Adler, Backsteinbau etc. Heft III.
        

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