Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1686542
(Zentral-Amerika. 
Mexico und 
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hinausschweifend (ähnlich, wie in den schon oben angeführten Beispielen 
architektonisch-hildnerischer Dekoration), dem noch dunkeln und verwor- 
renen Streben nach einer Art geistiger Wirkung ihren Ursprung zu ver- 
danken scheint. Sie zeigt sich in dem (häufig gewiss symbolischen) Schmuck 
und Putz, der den. Gestalten, manches Mal in kolossaler Schnörkelei, 
iimzugefügt wird; sie zeigt sich m bizarrer Verschnorkelung der Körper- 
ormen selbst; und sie fuhrt, fru bestimmte Zwecke, zu hochst monstrosen 
Zusammensetzungen, aus welchen die Bilder eines wüst chaotischen Grauens 
(ÄpgstelailcigäenläeähdeäBäärärgggiä vcäi Tghigren, Viliigeln, Schlaiägeanuäid dergilf, 
g U ' "a n esa en vor omrnen un ei enen re 
'künstlerische Aufgabe eine enger abgeschlossene war, verschmelzen sich  
lälatprnachalcisrfnung und phantastische Stylistik zu einer mehrfach sehr be- 
eu ent en irkung.  
Unter den Einzelwerken solcher Art sind zunächst, als besonders 
charakteristisch, einige hervorzuheben, die in der Stadt Mexico und in 
ihren Umgebungen gefunden wurden und im dortigen Museum aufbewahrt 
werden. Ein runder Opferstein, 9 Fuss im Durchmesser, auf seiner cy- 
linclrischen Fläche von einem Relief umgeben, welches eine historische 
Scene vorstellt: rcichgeschmückte Krieger, deren jeder einen Besiegten, 
welcher sich beugt und jenem eine Blume darbietct, bei den Haaren 
fasst.  Die mittelgrosse Basaltfigur eines Priesters, der sich, einer be- 
sondern religiösen Sitte gemäss, die Haut seines menschlichen Schlacht- 
opfers über Körper und Gesicht gezogen hat: diese Arbeit schon mit leid- 
lichem Natursinne ausgeführt.  Die Basaltstatue der mexicanischen 
Todesgöttin Teoyaomiqui, 9Fuss hoch, phantastisch aus Schlangen, Kral- 
len, Perlen und Federputz, Schädeln und andern Opferzeichen aufgebaut, 
so dass man kaum den Eindruck einer menschlichen Gestalt gewahrt, ein 
höchst unförmliches und höchst schcussliches Graunbild.  Vieles von 
ähnlicher Beschaffenheit, Arbeiten aus Basalt oder aus Metallen, beson- 
ders aber zahlreiche Idole aus gebranntem. Thon, findet sich in Samm- 
lungen zerstreut. Die Thonarbeiten, für untergeordnetes Bediirfniss ge- 
fertigt, sind zumeist sehr roh. Bedeutende Schätze der Art enthält die 
Uhdeische Sammlung mexicanischer Alterthümer zu Handschuchsheim, bei 
Heidelberg; in ihr, u. A., eine Pricsterfigur, welche der eben erwähnten ent- 
spricht, und sehr bemerkenswerthe Thiersculpturen der vorhin bezeichneten 
Art.  Die, zumeist hieroglyphischen Malereien der Azteken, colorirte 
Umrisslinien, sind einfach schematisch in einem ähnlichen Style ausgeführt. 
Unter den Bildwerken, mit welchen die architektonischen Denkmäler. 
geschmückt sind, zeigen die Reliefs an den Resten des Teocalli von X0- 
chicalco eine ähnliche Behandlung. Es sind menschliche Gestalten, 
Thieriigwen und phantastische Ungeheuer. Die ersteren lassen ein ge- 
wisses rohes Formengefühl erkennen. Sehr merkwürdig ist es, 585i 111er 
die Umrisslinien der Figuren zum Theil erhöht und wie schmale Bänder 
ausgeschnitten sind. Dies scheint ein eigenthümliches Beispiel für 1118 
Entstehung des Reliefs aus der Zeichnung (umgekehrt wie in der agylh 
tischen Kunst, in welcher das Relief aus vertieften Umrisslinien entstanden 
ist).  Bei den Details einiger Figuren aus gebranntem Thon, an Mund 
und Augen, findet sich dieselbe Weise der Formenbezelchnung.
        

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