Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1690535
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Die Kunst 
des 
romaniselu 
Styles. 
Einige Sohlossruinen aus der späteren Zeit des Jahrhunderts zeigen 
in Fenstern, Portalen, Arkaden-Gallerieen, in Wlandgetäfel und den 
Resten von Pracht-Kaminen ein phantastisches Behagen, eine Verwendung 
der reichsten Schmuckformen, deren die Zeit mächtig war, zur würdigen 
und glanzvollen Ausstattung der Herrschersitze. Die Ruinen des Kaiser- 
palastes zu Gelnhausen, die des Schlosses von Münzenberg, in deren 
Dekorationen sich Etwas von normannischem Geschmack ankündigt, sind 
die vorzüglichst ausgezeichneten. Die Ruine des Schlosses von Seligen- 
staclt ist minder reich. 
Das Wenige, was bis jetzt über die Monumente von Lothringen und 
der Freigrafschaft Burgund vorliegt, scheint auf eine ziemlich nahe Ver- 
wandtschaft mit der rheinischen Architektur, namentlich der des Mittel- 
rheins, zu deuten. Insbesondere scheint die Kathedrale von Verdun, 
im inneren System mit wechselnd stärkeren und schwächeren Pfeilern, der 
Anlage der mittelrheinischen Dome zu entsprechen. Aehnlich, in eigen- 
thümlich zierlicher Durehbildung des Systems die (schon spätere?) Kirche 
von St. Die; auch die von Ohamp-le-Duc. Ebenso die Kathedrale ve11 
Besangon, 1148 geweiht, die aber in grossen Theilen ihres Baues erst 
der gothischen Epoche angehört.  
In Franken erscheint der schlichte Basilikenbau, ohne Gewölbe, vor- 
herrschend. Die schon 1109 geweihte Jakobskirche zu Bamberg' ist 
eine Säulenbasilika mit Würfelknaufsäulen; (eines der Kapitale mit arabi- 
schem Blattwerk). Ebenso, ihren älteren Theilen nach, der 1136 geweihte 
Münster vom Kloster Heilsbronn.  Andre sind Pfeilerbasiliken. S0 
die (verbaute) Klosterkirche von Breitenau mit reicher Ohoranlage und 
breiter Vorhalle zwischen zwei Westthürmen; 1 die von Vessera (mit 
späterem Westbau); der grossartige, im Innern modernisirte Dom zu 
Würzburg, 1189 geweiht, und die dortige Schottenkirche St. Jakob. 
Auch der, der Spätzeit des Jahrhunderts angehörige Schiifbau der Kirche 
vom Kloster Michelsberg zu Bamberg. 
Doch haben zwei fränkische Monumente dieser Epoche wiederum das 
Wölbesystem, beide in sehr eigenthümlicher Anwendung und Behandlung. 
Das eine ist die 1157 gegründete Kirche des Oistercienser-Klosters Bronn- 
bach bei Wertheim. In den Arkaden ihres Schiffes wechseln Pfeiler, 
denen Säulen als Gurtträger des Gewölbes vorgelegt sind, theils mit frei- 
stehenden Säulen, theils mit schwächeren Pfeilern. Die Detailbildlmg ist 
reich und würdig, völlig der deutsch-romanischen Architektur der zweiten 
Hälfte des 12. Jahrhunderts entsprechend. Die Ueberwölbung dagegen 
zeigt südfranzösischen Einfluss. Das Mittelschitfgewölbe ist spitzbogig, 
ein Tonnengewölbe, welches durch einschneidende Stichkappen der Kreuz- 
wölbung sich annähert; die Seitenschiifgewölbe werden je durch ein 
1 Vgl. W. Stock in den vom Hannover'schen Architektenverein herausgegebe- 
nen Baudenkmälern Niedersachsens. IV. Heft. Taf. 27 n. 28.
        

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