Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1686538
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künstlerischer 
Vorstufen 
Gestaltung. 
Höhe betrug 114 Fuss. Auf seinem Plateau standen Altäre, die mit höl- 
zernen Tabernakeln überbaut waren. Uln den Teocalli breitete sich ein 
grosser Hof, der mit starken Mauern und mit den Wohnungen der Prie- 
ster umgeben war. Vier Thore führten in den Hof, jedes mit. einem 
grossen, thurmartigen Bau bekrönt. Der Hof war mit Platten von so 
glatt polirtem lilarlnor gepflastert, dass die Spanier, niwhdem Sie die Stadt 
erobert hatten, bei jedem Schritt ausglittcn; Oortez liess, dem abergläu- 
bischen WVahne der Eingebornen zu begegnen, besondre VOISiChtSIImSS- 
regeln gegen diesenUebelstand treffen. Der Markt der Stadt hatte eine 
bedeutende Ausdehnung und war mit einem grossen Porticus umgeben._ 
Dort wurden die mannigfaltigsten Waaren, in vorschriftmässigen Abthei- 
lungen und unter genauer Marktpolizei verkauft; dort fanden sich die 
Buden der Barbiere, der Apotheker, die Speisehäuser u. s. W. In der 
Mitte des Marktes stand ein Gerichtshaus, welches dem Handel und Wandel 
alle möglichen Rechtsmittel darbot. Das ganze Bild dieses Llarktes ent- 
spricht vollständig der Einrichtung der römischen Foren. Zu bemerken 
ist, dass die Stadt Mexico erst im J. 1325 gegründet und der grosse Teo- 
calli sogar erst im J. 1486 erbaut werden war. 
rei. 
dn 
Der Fülle architektonischer Denkmäler, die von den mittelamerika- 
nischen Völkern errichtet wurden, entspricht ihre Thätigkeit in der bild- 
nerischen Kunst, mit deren YVerken sie jene Denkmäler ausstatteten und 
die sie in selbständiger Verwendung übten; die reiche Ausprägung der 
in Rede stehenden Stufe der Kunst, unter den besonderen nationellen 
Bedingnissen, ist hier nicht minder ersichtlich. Die Arbeiten wurden in 
Stein ausgeführt, zum Theil in sehr hartem Material und in grossen 
Maassen; sie wurden in Stuck oder in Thon modellirt und der letztere 
gebrannt; Metalle, zum Theil die kostbarsten und diese in reichlicher 
Verwendung (wovon aber begreiliicher Weise nur geringe Proben auf 
unsre Zeit gekommen), wurden dazu verwandt. Den Rclicfsculpturen von 
verschiedenartiger Erhebung stellten sich einerseits frei ausgearbeitete Sta- 
Ülßll, andrerseits die Anfänge der Malerei (colorirte Umrisszeichnungen) 
gegenüber. Die verschiedenen Nationalitäten, wie es scheint, waren auf 
die Entwickelung stylistischer Unterschiede nicht ohne Einwirkung. 
Vorherrschend findet sich zunächst wieder eine Auffassung und Be- 
handlung der bildnerischen Kunst, welche den Charakter des ersten Be- 
ginnes derselben trägt. Die Bedeutung der organisch belebten Gestalt, 
ihr Beruf, unmittelbarer Träger des Geistigen zu sein, ist dem Auge des 
Künstlers entgegengetreten; aber noch gelingt es ihm nur, das Allgemeine 
dieser Verhältnisse, und vorerst nur in roher Andeutung, auszudrücken. 
Die Körperform ist in den meisten Fällen schwer, breit, kurz; die ein- 
zelnen Theile, besonders der Kopf, in der Regel von übermässiger Grösse; 
Nase, Augenlider, Lippen sind nur roh aus der Fläche herausgeschnitten; 
charakteristische Gesichtsbildungen finden sich nicht häufig. Daneben 
geht eine seltsame Stylistik, die, völlig in das Gebiet des Phantastischen
        

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