Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1690363
Zweite Periode. 
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in der Sammlung des Campo Santo zu Pisa, mit Reliefsceneii aus der 
Geschichte des Papstes Sylvester, der Taufe Constantins u. s. w. in einem 
barbarisch wüsten, styllosen Style. 1  Dahin gehört eben so ein aus 
einer Menge kleiner Reliefplatten zusammengesetztes Erzportal, an S. Ze- 
none zu Verona. 2 Die Platten stellen biblische und legendarische Sce- 
nen dar und rühren, wie es scheint, von zwei verschiedenen Händen her, 
die jüngere wohl von einer im 12. Jahrhundert erfolgten Erneuerung. 
Wenn diese schon eine Andeutung von Sinn und Styl in der Behandlung 
der Gestalt zeigen, so bestehen die älteren wiederum aus gänzlich rohen 
und formlosen Oompositionen, allerdings nicht ohne eine gewisse Erregt- 
heit des Gedankens, aber mit einem solchen Mangel der ersten Beding- 
nisse der Darstellung, dass z. B. den Figürchen mehrfach, je nach dem 
vorhandenen Raume, die willkürlichste Lage gegeben ist. 
Byzantinischer Einfluss macht sich, den allgemeinen Oultur-Verhält- 
nissen gemäss, im Venetianischen und in Unter-Italien geltend. Er zeigt 
sich zunächst in der Einführung jener byzantinischen Erzportale, mit ein- 
gegrabenen und durch Silberdrähte ausgefüllten Zeichnungen, von denen 
schon (S. 256) die Rede war. Nach Anleitung dieserArbeiten wurden 
im Lande selbst ähnliche Arbeiten, theils mit figürlichen, theils nur mit 
ornamentistischen Darstellungen, ausgeführt. So die Erzfiügel des Haupt- 
portales von St. Marco zu Venedig vom J. 1112 (mit lateinischen {n- 
schriften), eine selbständige Nachbildung der oben erwähnten Erzflügel 
des Nebenportales, 3 die der Kathedrale vonAmalfi (1062), die der Kirche 
zu Monte Casino, welche 1067 in Oonstantinopel angefertigt wurden, 
gleich den bereits S. 257 erwähnten von S. Paolo zu Rom (1070) und 
von Monte S. Angelo auf dem Garganus (1076), ferner die von 
S. Salvatore zu Atr ani (1087), und die ungefähr gleichzeitigen der Ka- 
thedrale von Salerno; andere, wie es scheint, aus der Epoche des 12. 
Jahrhunderts.  Ebenso fehlte es auch für die Steinsculptur nicht an 
byzantinischer Anregung. S. Marco zu Venedig enthält mannigfache 
Beispiele, die theils als merklich byzantinische Arbeit, theils als Nach- 
ahmung solcher zu betrachten sind, theils aber auch schon eine selbstän- 
digere Verarbeitung der hiemit gewonnenen Motive zeigen. Zu den letz- 
teren gehören, als Hauptbeispiel, die Säulen des Tabernakels über dem 
Hochaltar mit Hochrelief-Darstellungen biblischer Geschichten, die über- 
einander in kleinen Arkadenreihen enthalten und in einer, allerdings 
schwerfällig ängstlichen Weise, doch nicht ohne Gefühl für die Form aus- 
geführt sind.  Aehnliches in Unter-Italien, namentlich ein Paar Tafeln" 
in S. Restituta zu Neapel, mit Reliefdarstellungen aus der Geschichte 
Simsons und Christi (oder Josephs). 4 
Ein Paar bischöfliche Marmorstühle in unteritalischen Kirchen, 5 de- 
1 Den ebendaselbst beündlichen Arehitrav des Bonus Amieus muss ich schon 
dem 12. Jahrhundert zuschreiben. Vergl. unten.  ZOrti-Manara, dell" antica. 
basiliea di S. Zenone maggiore in Verona, t. 5.  3 Meisterhaft publicirt von 
A. Gamesina im Jahrbuch der Central-Commission zu Wien. Bd. IV, 1860.  
4 Sohnaase, Geseh. der bild. Künste, IV, II. S. 5316.  5 D110 de Luynesv recher- 
ßhes sur les mon. et Phist. des Normans etc. dans Pltalie merid., t. 9, f. Vergl. 
auch H. Schulz, Kunstwerke Unteritaüens, Taf. 6. 
        

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