Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1690330
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Styles. 
Die Kunst des romanischen 
bildet ein Werk, das trotz seiner Mängel die edelste Vereinigung antiken 
Sinnes und christlicher Empfindung enthält. Eine Inschrifttafel auf dieser 
Darstellung ist lateinisch und bezeichnet damit den occidentalischen Ursprung 
der Arbeit; an gleichzeitige Anfertigung mit der Handschrift kann nicht ge- 
dacht werden; vielmehr wird die Ausführung, mit überwiegender Wahrschein- 
lichkeit, der mittleren Zeit des 11. Jahrhunderts zuzuschreiben sein. 
Wiederum jünger scheint der Deckel eines Missale zu sein, welches 
der Epoche Heinrichs II. angehört und im Innern sein Bild enthält. In 
dem Relief des Deckels ist der Opfertod Christi dargestellt, die Compo- 
sition jenes erstgenannten Reliefs und den symbolischen Gehalt desselben 
auf ein schlichteres Maass zurückführend, den Styl der zuletztgenannten 
Arbeiten aufnehmend, mit geringerer Kraft, geringerer Grösse des Sinnes, 
aber mit ebensoviel zarterer und innigerer Durchbildung; der Körper des 
gekreuzigten Heilandes in fast vollendeter Schönheit. Die Arbeit wird 
somit der zweiten Hälfte des Jahrhunderts angehören und  wie es 
bei den vorigen jedenfalls anzunehmen war  die Handschrift später 
zugefügt sein. 
Ausserdem ist dem Kreise dieser Arbeiten ein grosses, aus sechs 
Stücken zusammengesetztes Elfenbein-Oruciiix zuzuzählen, das sich noch 
im Dome zu Bamberg befindet und ebenfalls als ein Weihgeschenk 
Heinrichs H. gilt. In mehreren Theilen erneut imd hergestellt, zeigt 
es ebenfalls eine lebhafte und edle Empfindung für die Bedingnisse der 
Körperform, während Antlitz und Hände noch etwas Starres haben. 
Ein Elfenbeinrelief, welches den vorderen Deckel einer Handschrift 
der Pariser Bibliothek, des sogenannten Gebetbuches Karlis des Kahlen, 
schmückt, 1 trägt dasselbe fein antikisirende Gepräge und darf als ein 
Product derselben Zeit und Schule betrachtet werden. Es ist besonders 
Wegen des Inhaltes der Darstellung merkwürdig, die in naiv symbolisi- 
render Weise die Hauptmomente des 57. Psalmes verbildlicht: oberwärts 
der Herr des Himmels in der Glorie mit Engeln und andern Lobpreisen- 
den; darunter ein Lager, auf welchem ein Engel sitzt, unter dessen Flü- 
geln die Seele des Sängers Zuflucht findet; zu beiden Seiten die Löwen, 
die gegen ihn anstiirmen, und zwei hülfreiche himmlische Gestalten mit 
Fahnen (Misericordia und Veritas); in dritter Reihe die Schaar der Feinde 
mit Spiessen, Pfeilen und Schwertern; zu unterst Männer, die, Bergleuten 
ähnlich, dem Sänger die Grube graben, in welche sie selbst hineinstürzen. 
Es kommen ferner für das allgemeine Stylverhältniss der Seulptur 
des 11. Jahrhunderts die Urkundensiegel in Betracht. Auf ihnen, 
namentlich auf den kaiserlichen Siegeln, finden sich jetzt Bildnisse in 
ganzer Figur und in thronender Stellung. Es zeigt sich dabei von vorn- 
herein, vielleicht in der Aufnahme byzantiniseher Motive, die Absicht auf 
erhöhte Würde der Darstellung; die Aulfassung ist freilich zumeist starr, 
die Behandlung unbehülflich. Doch hat auch die Sitte des 10. Jahrhun- 
derts, die Bildnisse in halber Figur zu geben, noch mehrfache Nachfolge, 
archäologiqlle, V, P- 
Revue 
133, P1- 
113.
        

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