Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1690324
Zweite Periode. 
401 
finden sich gegenwärtig zumeist in der Bibliothek von München. 1 Die 
Elfenbeinplatten der Buchdeckel sind wiederum mit figurenreichen Relief- 
darstellungen versehen und von dem Akanthusrande eingefasst; Styl und 
Behandlung deuten auf verschiedenartige Herkunft und Ausführungszeit. 
Nur einer von diesen Deckeln, der eines bilderreichen Evangeliariums, 
trägt die inschriftliche Angabe, dass sein Schmuck auf Heinrich's Ver- 
anlassung gefertigt sei. Er hat einen breiten Goldrahmen mit Steinen 
und kleinen Emaillen; in der Mitte das Elfenbeinrelief, das in umfassen- 
der Darstellung den Opfertod Christi, mit verschiedenen symbolischen Be- 
zügen, mit den himmlischen und irdischen Zeichen in antiker Personifi- 
cation, dem Sonnengotte und der Mondsgöttin auf ihren Quadrigen, dem 
Grotte des Meeres und der Göttin der Erde, darstellt. Hier haben die 
Figuren eine schwülstig dickbauehige Form und Manieristisches in der 
Bewegung, in einer Art, die in dieser Arbeit noch ein aus byzantinischen 
Studien hervorgegangenes Product voraussetzen lässt.  Ein anderes 
Evangeliarium, das unter seinen Bildern die Darstellung des Kaisers und 
der Lande, die sich vor ihm beugen, enthält, ist mit einem Elfenbein- 
deckel versehen, dessen Relief den Tod der Maria darstellt und in sehr 
sauberer Technik das Gepräge einer byzantinischen Originalarbeit hat. 
Ferner gehören die merkwürdigen Reliefs der Kanzel im Münster 
zu Aachen hieher, 2 vier Elfenbeinplatten mit Darstellungen, in denen 
wie in so manchen anderen Werken dieser Epoche die lebendige Auf- 
nahme und Verarbeitung antiker mythologiseher Gestalten hervortritt. 
Dann ist der Deckelschmuck eines Evangeliariums aus der Epoche 
des 9. Jahrhunderts, im Innern mit äusserst rohen Malereien dieser Zeit, 
zu erwähnen. Er ist auf der Vor- 
aus    - X derseite wie auf der Rückseite mit 
' f, iL  i Ääx Reliefs versehen: auf jener die Taufe 
 I    Wi s. gäb: Christi darstellend, wo oberwärts 
 w,  i xlff Je,  himmlische Gestalten mit den Ge- 
 Xil, i iß   ' berden freudevoller Verehrung aus 
äixxskäbtil-f  s-  V  2' 191i" den Wolken auftauchen, der Sonnen- 
    "es w  _ l, gott und die Mondgöttin mit Fackeln 
E  v  w. Hp in den Händen, und Sehaaren von 
 I PC U ß  4'" ,  Engeln; auf der Rückseite die Ver- 
   ÄNQL t j  J kündigung Mariä und darunter die 
Ü "jaxl K a, lrrlaxnqäxil  x  Geburt Qhristi. Hier zeigt sich 
I  1,! (In, Wal;  L überall eine frische, freie, klare Na- 
 WJIÄÄ  Wulst   , turauffassung, die trotz einzelner 
M l 11 1"" TWM  sehr erheblicher Mängel in den 
 "K. "MR  CWV U Körperverhältnissen von glücklich- 
1)' V kn d' unv Mars Elfenb "n el" f d ster Wirkung ist, und zugleich eine 
w Däkell eiignesußvaiulgeliuriumjlzh lvlülifnglilernem Neigung zur Antike, Welche der 
(Nach Försters Deukmalen.) Arbeit  Grundzüge einer hohen 
und maassvollen Würde gibt." Die Darstellung der Verkündigung Maria 
1 Förster, Denkmale, 1. u. n. F. K., K1! Schriften, 
bildet bei E. aus'm Weerth, Denkmäler Abth. I, Bd. 2. 
Kugler, Handbuch der Kunstgeschichte. I. 
I1 
79, f. 
26 
2 
Abge-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.