Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1690302
Zweite Periode. 
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wandung bei sehr schlichter Anlage frei bewegt. Manches zeigt einen 
nicht unglücklichen Anklang an antike Motive, deren Anschauung über- 
haupt die Grundlage des Ganzen ausmacht.  
Aus der Spätzeit des Jahrhunderts rührt die eherne Grabplatte des 
Gegenkönigs Rudolph von Schwaben (gest. 1080) im Dom zu Merse- 
burgl her. Sie enthält in flachem Relief die Gestalt des Königs, in 
schlichter, strenger, klarer Darstellung, das Detail des Kostüms mit ci- 
selirten Verzierungen, die Krone ursprünglich mit" einigen Steinen ge- 
schmückt und die Augapfel ebenso bezeichnet. 
Ein umfangreiches Holzschnitzwerk reiht sich den Erzarbeiten 
zunächst an: die Flügel des Nordportals der Kirche St. Maria auf dem 
Kapitol zu Köln. 2 Sie enthalten eine Folge kleiner Tafeln mit Scenen 
der Geschichte Christi in stark vorspringendem Relief, in leblos starrer 
Darstellung und mit unförmlich schweren embryonischen Gestalten. Das 
Rahmenwerk ist mit Bandgeliechten geschmückt; die äussere Umfassung 
wird durch dicke Stäbe mit Blattschmuck gebildet. Der Charakter des 
letzteren scheint auf die Spätzeit des Jahrhunderts, die auffällige Rohheit 
der figürlichen Sculptur somit, bei einem doch anspruchvollen Werke, auf 
das Unvermögen der Lokalschule zu deuten. 
Die Steintafeln mit grossen Reliefgestalten, neben den Nischen 
des alten Nordportals von St. Emmeran zu Regensburgß sind um 
die Mitte des 11. Jahrhunderts gefertigt. Die mittlere von ihnen stellt 
den thronenden Salvator dar; zu seinen Füssen ein Rund mit der Halb- 
ügur eines anbetenden Geistlichen, welcher inschriftlich als Abt Begin- 
ward ( 1049-64) bezeichnet ist; die beiden andern enthalten die Figuren 
von Heiligen. Die Darstellungen sind völlig starr und streng, die Ge- 
wänder eng anliegend und in conventionellen Linien fein gefaltet. Die 
Arbeit wird dem Style der altägyptischen Kunst verglichen.  Drei an- 
dere grosse Steintafeln in der Michaelskapelle auf Hohenzollern4 
scheinen einer ungefähr ähnlichen Zeit anzugehören. Die auf ihnen ent- 
haltenen Figuren des Erzengels Michael und zweier Heiligen sind sehr 
schlicht, ebenfalls in schematisch starrer Behandlung, dargestellt. 
Höchst abweichende Beschaffenheit haben zwei Relieftafeln aus Stein 
im Münster zu Basel, 5 von der Ausstattung eines dortigen Altares 11er- 
1 Dethier, über das Grabmal des Königs Rudolf v. Schwaben. F. K4 K1- 
Schriften, I, S. 165. Puttrieh, Denkm. der Baukunst des Mittelalters in Sachsen, 
II, I, Ser. Merseburg, T. 8. v. Hefner, Trachten des ehristl. Mittelalters, I, T. 58. 
 2 Gailhabaud, Denkmäler der Baukunst, II, Lief. 89. E. aus'm Weerth, Denkm. 
Abth. I, Bd. 2. Boisseree, Denkm. d. Bank. am Niederrhein, T. 9. F. K., K1. 
Schriften, II, S. 256.  3 Waagen, Kunstwerke u. Künstler in Deutschland , II, 
S. 109. v. Quast, im D. Kunstblatt, 1852, S. 174.  4 R. Frhr. v. Stillfried, 
Alterthümer etc. des E. Hauses Hohenzollern. Erste Folge, Heft III.  5 Förster, 
Denkmale, II.
        

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