Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1690279
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Styles. 
Die Kunst des romanischen 
lässt an der monumentalen Kraft in dem Betriebe dieser Kunstfächer und 
somit an derjenigen Nachhaltigkeit, welche aus solcher Kraft hervorgeht, 
zweifeln, und das Erhaltene lässt die Gemeinsamkeit des Schaffens, den 
starken Trieb nach den Endzielen desselben, die Bahn, Welche zu ge- 
sichertem Erfolge führen muss, vermissen. Es ist noch etwas Zusammen- 
hangloses, Vereinzeltes, etwas von dilettantistischer Zerstreuung in den 
künstlerischen Produktionen dieser Zeit. 
Dabei aber mangelt es ihnen nicht an Elementen," welche dem, was 
das Charakteristische in der Architektur dieser Epoche ausmacht, zur 
Seite stehen. Es finden sich Beispiele einer Auffassung der Gestalt und 
der Handlung im ausgesprochenen antik klassischen Sinn, die um so be- 
wunderungswürdiger ist, als sie zugleich, aller äusserlichen Nachahmung 
fern, ein völlig naives Verhalten bekundet; es ist darin ein Zug von in- 
ncrlicher Würde und Grösse, welcher der räumlichen Erhabenheit des 
architektonischen Werkes wohl entspricht. Es kommen, bei aller Be- 
schränktheit der Darstellungsmittel, Momente einer frischen Natürlichkeit 
vor, die auch hier den erwachten individuellen Drangbekunden. Es En- 
den sich symbolische Darstellungen, in denen die Schauer eines irmerlich 
erregten Gremüthes nachklingen, gedankenhaft und geheimnissvoll, wie so 
Manches in der räumlichen Wirkung des Baues. 
"Das Wichtigste unter den erhaltenen und mit mehr oder weniger 
Sicherheit dieser Epoche zuzuschreibenden Werken gehört wiederum 
Deutschland an. Ein lebhafter Anstoss zum bildnerischen Schaffen fand 
bereits in der Frühzeit des Jahrhunderts statt, in der Regierungsepoche 
Kaiser HeinricHs II. (1002-24), auf dessen Veranlassung eine namhafte 
Zahl von Prachtarbeiten zur Ausstattung geistlicher Stiftungen angefertigt 
wurden, unter der unmittelbaren Fürsorge geistlicher Würdenträger, die 
 wie namentlich Bischof Bernward von Hildesheim  tüchtige Kräfte 
um sich sammelten,_ die Besonderheiten des technischen Betriebes zu er- 
forschen und festzustellen bemüht waren und manches Mal selbst Hand 
an das Werk legten. Die folgenden Decennien gingen solchem Bestreben 
mit nicht geringerem Eifer nach. 
Sculptun 
Deutschland. 
Eine Folge von Werken des Erzgusses giebt zunächst einen Ueber- 
blick über den Entwickelungsgang der deutschen Sculptur des 11. Jahr- 
hunderts. 
Den Anfang machen zwei ansehnliche Werke, welche zu Hildes- 
heim unter Bischof Bernward ausgeführt wurden. Beide bezeugen ein 
schon meisterlich gesichertes technisches Verfahren und den Ernst des 
künstlerischen Gedankens, beide aber, in verschiedenartiger Behandlung, 
den noch primitiven Standpunkt des Darstellungsvermögens. Das eine 
Werk sind die bildnerisch ausgestatteten Flügel des Hauptportales am Dome
        

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