Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1690136
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Styles. 
Die Kunst des romanischen 
Arkadenbögen grössere quergespannte Bögen, welche die flache Bedeckung 
tragen helfen. (Das Portal ist später.) 
Einige Einzelstücke kommen für die lokale Geschmacksrichtung, für 
ihre Zeitbestimmung, für die Bezeichnung des Gegensatzes dieser Epoche 
gegen die neuen und vielseitig bewegten Erscheinungen des folgenden 
Jahrhunderts in Betracht. So einige Portale an Monumenten des Rous- 
sillon: das der Abteikirche von Ouxa, mit barbaristischem Ornament, 
vielleicht noch von einem Bau des 10. Jahrhunderts (984) herrührend 
das höchst schlichte Portal der Kirche St. Jean-legriewc zu Perpignan 
(1025); die ebenso schlichte Fagade der Kirche von Arles-sur-Tech 
(1045).  So die Fagade der Kirche von Manglieu in der Auvergne, 
mit einfachen Pfeilerarkaden und mit hohen Wandbögen über schlichten 
Pilastern, in solcher Anordnung wiederum jenes strenger römische Gefüge 
des 11. Jahrhunderts wahrend und hiemit zugleich von dem reichen Styl 
der späteren auvergnatischen Denkmäler wesentlich unterschieden.  So 
ein Stück der Nordseite von St. Hilaire zu Poitiersf das, als Zeugniss 
eines älteren Baues vom Jahre 1049, der jüngeren Prachtanlage dieses 
Gebäudes gegenübersteht.  
Wie bereits angedeutet, wendet die südfranzösischc Architektur das 
Gewölbe schon früh zur Bedeckung der inneren Räume an. Das construc- 
tive Bedingniss desselben musste auf die Gestaltung des inneren Systems 
von wesentlichem Einflusse sein. 
Ein kleiner Kuppelbau aus dem Anfange des Jahrhunderts mag zu- 
nächst erwähnt werden: die im Jahre 1019 geweihte Grabkapelle Ste. 
Croix zu Montmajour bei Arles in der Provence, eine einfach quadra- 
tische Anlage mit vier Absiden.  
Das Entscheidende war die Verbindung des Gewölbes mit dem Lang- 
bau der Basilika; die Tonnenwölbung war diejenige Constructionsform, 
welche dem letzteren naturgemäss zu entsprechen schien. Ein Beispiel 
von sehr alterthümlicher Erscheinung zeigt eine naive Löslmg der Auf- 
gabe. Es ist die Ruine der Klosterkirche St. Martin am Canigou 
(einem Pyrenäengipfel im Roussillon), vielleicht noch einem Bau von 1001 
angehörig, eine Säulenbasilika mit einem Tonnengewölbe über jedem 
Schiffe, wobei aber das mittlere, um des erforderlichen Widerlagers nicht 
zu entbehren, nicht erhöht ist. Die Säulen sind von Granit, die Kapitale 
Hach würfelartig und mit schlichten Verzierungen versehen.  In andern 
Fällen fand man es zweckgemäss, die Seitenschiffe ganz wegzulassen und 
sich mit einschiffigem Raume, mit anstossenden Querschiüiiügeln oder ohne 
solche, zu begnügen. Der Art sind die schlichten Kirchen von Ville- 
neuve-les-Maguelone und von Londres, sowie die zierlicheren, schon 
der Uebergangszeit aus dem 11. in das 12. Jahrhundert angehörigen von 
Castries und von Saussines (sämmtlich im Dep. Herault). Die letzte- 
ren zeigen eine Fortbildung der Oonstruction, indem der Tonnenwölbung 
vorspringende Quergurte untergelegt und diese von Wandsäulen mit schmuck- 
reichen Kapitälen getragen sind.  Doch war das Grundschema der Ba- 
silika, mit dreischiffigem Raume und mit der Erhebung des Mittelschiffes, 
1 Parker, in der 
Archaelogia, XXXIV, p. 
2881 
Anm.
        

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