Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1690104
Zweite Periode. 
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Im westlichen Ungarn, dahin die deutsche Kultur zeitig übergetra- 
gen ward, erscheint die rohe Krypta der Kirche von Tihany, am Plat- 
tensee, als Rest eines Baues vom J. 1054.  Ob an den Domen von 
Fünfkirchen und von Grau, deren Bauzeit in das frühe Mittelalter zurück- 
geht, gleichfalls Ueberbleibsel des 11. Jahrhunderts vorhanden sind, darf 
einstweilen als fraglich bezeichnet werden. 
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In Frankreich erscheint das System des Pfeilerbaues vorherrschend. 
Wo sich an erhaltenen Monumenten Säulen in selbständiger Verwendung 
vorfinden, ist das alte Gesetz des Basilikenbaues durch die Einführung 
abweichender Constructionen schon wesentlich abgeändert. 
Die Monumente in den Nordprovinzen des Landes, und zunächst 
die östlichen, haben manches Uebereinstimmende mit den deutschen Ge- 
bäuden der in Rede stehenden Epoche. Namentlich ist dies bei einem 
Hauptbau der Zeit, der Kirche St. Remy zu Rheims, die von 1041-73 
ausgeführt wurde, der Fall. Der Kern des Schillibaues (in jüngerer und 
allerdings sehr durchgreifender Umwandlung) rührt von dieser Anlage 
her: kräftige Pfeilerarkaden mit hoher Empore, die sich, durch eine Säu- 
lenarkade über jedem unteren Bogen, gegen das Mittelschiff öffnet. Die 
formale Stimmung, namentlich das feine Karniesprofil der Deckgesimse, 
ist der niederrheinischen Architektur verwandt.  Die Kirche Notre-Dame 
zu Nesle (Dep. Summe), seit 1021 erbaut und vielfach verändert, das 
Schilf von St. Denis zu Morienval (Dep. Oise), vom Schlüsse des Jahr- 
hunderts, sind als andre Beispiele des Pfeilerbasilikenbaues anzureihen. 
 Sodann das Schiff der Kirche St. Germain-des-Pres zu Paris, 
dessen Pfeiler an den Zwischenseiten und auf der Rückseite, hier für eine 
Kreuzwölbung der Seitenschiße, mit Halbsäulen versehen sind, während 
eine Halbsäule an der Vorderseite der Pfeilerbeträchtlich jüngerer Zusatz 
ist (für das späte Mittelschiffgewölbe). Das Schiff gilt als Ueberbleibsel 
eines Baues von 990-1014; die, zwar vielfach überarbeitete Behandlung 
Seines Details, namentlich der sculptirten Kapitale, deutet aber jedenfalls 
auf die Schlusszeit des 11. Jahrhunderts. (Der Chor rührt aus dem 
12. Jahrhundert her, einen Bau ersetzend, welcher in der Epoche von 
990_1014 ausgeführt sein mochte.)  
Von der im Jahre 1068 erbauten und in neuerer Zeit abgerissenen 
Kirche Ste. Genevieve zu Paris sind einige roh sculptirte Säulenkapi- 
täle erhalten (im zweiten Hofe der Ecole des Beaux-Arts), die auf eine 
Säulenbasilika schliessen lassen.   
'Dann sind ein Paar Krypten zu erwärmen: die alte Krypta der Kirche 
von St. Denis (der Mittelraum), mit Wandsäulenarkaden, die ähnlich Tüll 
sculptirte Kapitäle haben;  und die eigenthümligh merkwürdige Krypta 
von J ouarre in der Champagne (D. Seine-et-Marne). Die letztere, aus 
zwei Kapellen bestehend, ist verschiedenzeitig. Die Kapelle des h. Ebri- 
gisel ist zum Theil roher Bau des 7. Jahrhunderts, zum Theil Erneuung 
des 12., die Kapelle des h. Petrus hat Säulen mit zierlich schmuckreichen
        

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