Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1690062
Zweite Periode. 
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bis 1022) erbaut und im Jahre 1022 und abermals 1033, geweiht und in 
späterer Zeit, doch mit Beibehaltung der Grrundrnotive und einzelner 
Theile des alten Baues, mehrfach verändert wurde. In ihrem Schiffe 
wechseln je zwei Säulen mit einem Pfeiler. Breite Seitenschiife, zwei 
mächtige Querschiüe, an die sich ein östlicher und ein westlicher Ohor 
anschlossen und in deren Flügel Arkaden-Emporen (mit ausserhalb vor- 
liegenden achteckigen Treppenthürmchen) eingebaut waren, gaben dem 
Inneren in seiner Gesammtheit eine volle und 
     grossartige Wirkung. Die alten Säulen (an deren 
i Stelle zum grossen Theile andre von üppiger 
-  spätromanischer Form getreten sind) haben ein 
 schweres Würfelkapitäl und über diesem, statt 
Hij-lfi W   lllnnm des Deckgesimses, eine Art antikisirenden Gebälk- 
 ,  aufsatzes, beide Stücke in fremdartig disharmo- 
  "i-  nischer Verbindung und hiemit ein vorzüglich 
 schlagendes Beispiel für die Verschiedenheit des 
 Ursprunges ihrer Formen.  Jünger, der Epoche 
WEM;   um 1060 angehörig, durch Modernisirung zumeist 
   lli entstellt, sind der Dom von Hildesheim, mit dem- 
selben Wechsel von Pfeilern und Säulen, und die 
Alm Säuleflkßliiml a"? St- M3" dortige Kirche auf dem Moritzberge, eine ein- 
chael in Hildesheim.   
(Nach Hase.) fache Säulenbasihka. 
Der Dom zu Goslar, 1050 geweiht, mit spä- 
teren Bauveränderungen, hatte im Innern einen Wechsel von je einer 
Würfelknaufsäule mit einem Pfeiler. Er ist in neuerer Zeit abgerissen. 
(Eine erhaltene Vorhalle ist spätromanisch.) 
Die Stiftskirche zu Gandersheim gehört in der Masse ihres Baues 
einer Erneuung nach dem Jahre 1073 an. Doch hat sie ältere Theile, 
namentlich den Unterbau der breiten Westhalle, deren Formen, zum 
Theil denen der Michaelskirche zu Hildesheim verwandt, die Frühzeit 
des Jahrhunderts verrathen. Die Theile des Baues nach 1073, im Schiff 
mit je zwei Säulen zwischen zwei Pfeilern, zeigen mehrfach ein nüchter- 
nes Formenspiel und, z. B. in den Schilfhlattkapitälen, eine trockne Be- 
handlung. (Später sind manche andre Veränderungen und in neuster 
Zeit eine umfassende Restauration erfolgt.) 
Der älteste Theil der Marienkirche zu Magdeburg, der Chor 
und Ansatz des Schiffes, rührt von einem, nach 1064 begonnenen Bau 
her, während das Uebrige späterer Erneuung zuzuschreiben und über das 
Ganze ein abermals späterer und umfassender Umbau ergangen ist. Hier 
tritt, bei massig schweren Grundformen, z. B. derartigen Würfelkapitälen, 
die aus der späteren Verbauimg vorragen, eine Richtung des Geschmackes 
ein, die sich in ungefügen Dekorationen, Bandgeschlingen u. dgL, Welehe 
in einer rohen Schnitzmanier aufgeführt sind, wohlgefällt und auf urthiim- 
liche Gewohnheiten, wie solche aus dem alten Holzbau herübergenom- 
men sein mussten, zurückdeutet. Dieselbe Behandlung in der Kirche von 
Wester-Gröningen bei Halberstadt, in deren Schiifarkaden je zwei 
Säulen mit einem Pfeiler wechselten.  Ebenso in der Stiftskirche (Schloss- 
kirche) zu Quedlinburg, die bereits von Heinrich I. gegründet und
        

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