Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1690005
Zweite Periode. 
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In Trier wurde der Dom in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts 
erneut. Die alte, aus dem 6. Jahrhundert herrührende Anlage (S. 237) 
wurde mit Beibehaltung ihrer Grundmotive umgewandelt und erweitert, 
so dass eine Art von Pfeilerbasilika mit gleich hohen Schiffen entstand. 
Spätere Umänderungen, welche über das Innere ergangen, haben davon 
jedoch nur wenig Spuren zurückgelassen. Die Westseite empfing eine 
besondre Chorabsis mit kleiner Krypta. Das Aeussere des Westbaues ist, 
mit Ausnahme später hinzugefügter oder veränderter Obertheile, in seiner 
ursprünglichen Erscheinung erhalten; mit der Absis in der Mitte und 
Rundthürmen auf den Seiten in stattlicher Ausbreitung; mit dem Schmücke 
von Pilastern und Rundbogenfriesen, von Portalen und kleinen Arkaden- 
Öffnungen über diesen, von wechselfarbigen Steinen (nach dem Muster 
fränkischer Dekorationsweise), in reicher Entfaltung; in den Details über- 
lieferte Formen, römische und die mehr barbarisirenden der Porta Nigra, 
mit eigenthümlicher Strenge nachahmend, andre primitiv nordische For- 
men hinzufügend.  Alte Säulensäle zur Seite des Domes, die Ruinen 
der Irminenkapelle, mehrere alte Burghäuser und Stiftsgebäude, die zu 
Trier erhalten sind, zeigen die Fortbildung solcher Richtung im weiteren 
Verlaufe des Jahrhunderts.  
Ein machtvoller Basilikenbau, unfern von Trier, ist die im J. 1031 
geweihte Abteikirche St. Willibrord zu Echternach. Im System ihres 
Scliiifes wechseln Pfeiler mit Säulen, mit lebhaftem Gefühle für architek- 
tonischen Organismus in der Art geordnet, dass die Arkaden beiderseits 
durch grössere, von Pfeiler zu Pfeiler geschlagene Bögen, welche an der 
Oberwand vorspringen, umfasst werden. Das Detail trägt hier ein antiki- 
sirendes Gepräge von höchster Entschiedenheit, sowohl in den Deckge- 
simsen der Pfeiler als in den Kapitälen der Säulen, deren Basen jedoch 
ein barbaristisch rohes Proül haben. (Chor und Ueberwölbung des Schif- 
fes sind später.)  
Köln hat Verschiedenes aus der Epoche des 11. Jahrhunderts, zum 
Theil von ausgezeiclmeter Bedeutung. Der Kern der (später veränderten) 
Kirche St. Aposteln bildet _eine Pfeilerbasilika und rührt, wie es scheint, 
von einem Bau des Jahres 1026 her.  St. Georg, 1067 als vorhanden 
erwähnt, ist eine Säulenbasilika, im Schiff und in der Krypta mit Wür- 
felknaufsäulen der bezeichneten Art. (Später überwölbt und mit präch- 
tiger Westhalle versehen.)  St. Maria auf dem Kapitol ist eine 
sehr eigenthümliche Anlage, auf eine reich entfaltete Wirkung der inne- 
ren Räumlichkeit berechnet: eine Pfeilerbasilika mit breitem Ohorbau; 
die Flügel des Querschiifes in derselben Weise wie die Absis des Chores 
ausgerundet und diese Theile rings von einem seitenschißartigen Umgange 
umgeben, der in den drei Absiden durch Säulenhalbkreise mit dem Mit- 
telraume in Verbindung steht. Das Motiv zu solcher Anordnung lag 
schon in den jüngeren Theilen der Marienkirohe von Bethlehem (S. 212) 
vor, und die Säulen der Absiden entsprechen den Säulennischen der by- 
zantinischen Architektur (S. 231 u.  aber die ganze Anordnung erscheint 
hier in neuer, ungleich innigerer Durchbildung. In Wechselbezug hiemit 
steht die Einführung gewölbter Decken: eine Kuppel über der mittleren 
Vierung, flfonnengewölbe über den anstossenden Feldern, Halbkuppeln 
Kugler, Handbuch der Kunstgeschichte. I. 24
        

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