Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689912
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Die 
des romanischen Styles. 
Kunst 
führen liess. Sie stellte seinen Sieg über die Ungarn (934) vor, und man 
sah in ihr, nach den Worten des zeitgenössischen Berichterstatters, 1 viel- 
mehr die Wirklichkeit der Sache selbst, als ihr wahrscheinliches Abbild 
vor sich. 
Von einer andern Weise farbiger Ausstattung, die für die spätere 
Kunst des Mittelalters eine so eigenthümlich hohe Bedeutung gewinnen 
sollte, finden sich in der Spätzeit dieser Epoche die ersten Spuren. Es 
ist die Anwendung farbigen Glases, für jetzt wohl nur in einfacher, or- 
namentistischer Zusammenstellung, zu Ausfüllung der Fenster. Die Kirche 
von Tegernsee empfing einen derartigen Schmuck, 2 als Geschenk eines 
Grafen Arnold. Gosbert, Abt des Klosters seit 982, schrieb an diesen: 
„Die Fenster unsrer Kirche waren seither durch alte Tücher geschlossen- 
Zu euren glückseligen Zeiten erglänzte der goldgelockte S01 zum ersten 
Mal durch die von Malereien buntfarbigen Gläser auf den Platten des 
Fussbodens unserer Kirche, und aller derer" Herzen, welche die Mannig- 
faltigkeiten des ungewohnten Werkes erblicken, werden von vielfachen 
Freuden durchdrungen." 
Für das Gewicht, welches dem neuerwachten künstlerischen Streben 
schon beigemessen werden konnte, darf endlich ein charakteristischer Zug 3 
angeführt werden. Er betrifft einen Mönch von Fulda, Hatte, genannt 
B0 nosus, der sich in der Kunst der Malerei hervorthat und nachmals, 
von 956-968, Abt des Klosters wurde. Man bemerkte es missfällig, dass 
er sich in seiner Kunst besser dünkte als die Abschreiber der Bücher, 
selbst als die Männer der gelehrten Wissenschaft, während es doch die 
Ordensregel vorschreibe, dass die Künstler im Kloster ihre Arbeit in aller 
Demuth ausführen sollten. 
Erhaltene 
Werke. 
Was an Werken bildender Kunst aus dem zehnten Jahrhundert er- 
halten ist, gehört den Fächern der Kleinkunst an, zum grossen Theil 
der Bücherausstattung, dem Schmuck der Deckel und vornehmlich der 
Zierde des Innern durch Malerei. Auch hier ist es das Ueberlieferte, das 
barbarisirt antike Element, wie es in den Werken der karolingischen 
Periode und in den auf's Neue verwilderten Leistungen ihrer Spätzeit 
vorlag, was als Mittel und Gegenstand der Darstellung zunächstaufge- 
nommen und abermals fortgeführt wird. Aber auch hier macht sich ein 
frischer und kräftiger Sinn geltend, welcher der rohen Form, selbst wo 
sie in höchster Unbeholfenheit auf ein gänzlich primitives Verhalten zu- 
rückgeht, den Stempel des Entschlossenen und Entwickelungsfähigen zu 
geben, ihre klassischen Grundmotive wiederum zu beleben, ein neues 
geistiges. Wollen in ihr zum Ausdrucke zu bringen vermag. Dann, be- 
sonders in der späteren Zeit des zehnten Jahrhunderts, werden Studien 
byzantinischer Kunst ersichtlich. Sie geben zur Handhabung einer feine- 
ren Technik, zum Gewinn einer stylvolleren Würde Anlass, während aus 
1 Lindprand, II, 
Schriften, I, 
3 Fiorillo I,
        

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