Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689904
Periode. 
Erste 
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wusste die Bürger von Constanz zur Hergabe des edlen Materials willig 
zu machen, indem er ihnen in feierlicher Versammlung vorstellte, dass 
er vier Töchter verheirathen müsse und nicht wisse, wie er sie angemes- 
sen ausstatten solle, und dann, als sie ihm ihre Unterstützung zugesagt, 
sein Vorhaben erläuterte. Nachdem die Säulen ihre Bekleidung empfan- 
gen hatten, wurden sie über sculptirten Steinbasamenten aufgestellt und 
durch vier Bögen, einerseits mit vergoldetem Silber, andrerseits mit ver- 
goldetem Kupfer, verbunden. Ueber den Bögen kam eine mächtige Tafel 
von vergoldetem Kupfer mit den Bildern der-Evangelisten zu liegen, und 
darüber mannigfaches Täfelwerk von Silber mit eingegrabenen lnschriften, 
ein Aufbau von gewundenen Säulchen u. dergL; zu oberst das symbo- 
lische Bild des Lammes. Der Altar unter dem Tabernakel hatte auf der 
Ostseite eine Tafel von reinem Golde mit prächtigen Steinen, auf der 
Westseite eine Silbertafel mit dem Goldbilde der h. Jungfrau. Die Wände 
der Kirche waren mit Geschichten des alten und des neuen Testamentes 
bemalt, mit reichlichster Verwendung kostbaren Ultramarins,'den der Bi- 
schof von Venedig geschenkt hatte. Die Thüren und das Täfelwerk der 
Decke waren nicht minder glänzend geschmückt. Endlich kam das Grab- 
mal des im Jahr 995 oder 996 verstorbenen Bischofes hinzu, aus Stuck 
gearbeitet, mit den Bildern des Bestatteten und dienender Brüder, und 
mit Säulenarkaden, an denen sich eine zierlich reiche Ornamentik entfaltete. 
Für kirchliches Prachtgeräth und die zum Theil eigenthümlich phan- 
tastische Behandlung desselben enthielt der Domsehatz von Mainz, 1 
dessen glänzendste Stücke um den Schluss des zehnten Jahrhunderts 
durch Erzbischof Willigis beschafft waren, eine Fülle bezeichnender Bei- 
spiele. Es waren Goldkelche von riesiger Grösse darunter, einer von der 
Höhe einer Elle und der Dicke eines Fingers, über und über mit edeln 
Steinen bedeckt.- Viele Gefässe hatten die Form von Thieren: Löwen, 
Drachen, Vögeln, Greifen. Zwei silberne Räuchergefässe bildeten die Ge- 
stalt von Kraniohen nach, in natürlicher Grösse, deren Schnäbeln der 
Weihrauch entquoll. Ein Gefäss zur Aufbewahrung des Weihrauchs war 
aus einem kolossalen Onyx geschnitten, in Gestalt eines Drachen, mit 
einem zollgrossen Topas auf der Stirn und mit Karfunkeln statt der Augen; 
eine griechische Inschrift auf dem Silberrande, welcher die Oeffnung des 
Gefasses auf dem Rücken des Thieres einfasste, deutete, wie es scheint, 
auf byzantinische Herkunft. An einem riesigen Orucifix war das Kreuz 
aus Oedernholz gearbeitet und mit Goldplatten überzogen, während der 
Körper des Erlösers, von übermenschlicher Grösse, ganz aus Gold be- 
stand, die Glieder in den Gelenken lösbar, der Leib hohl und mit Juwelen 
und Reliquien angefüllt, in den Augen Karfunkelsteine von der Grösse 
eines Eidotters,  dasyGanze ein Werk von schauerlich erhabener bar- 
barischer Pracht.  
Ueber die Wandgemälde dieser Epoche, mit denen die Kirchen 89' 
schmückt wurden, liegen zumeist nur allgemeine Notizen vor. Sehr merk- 
würdig ist die Nachricht von einer Malerei weltlichen Inhalts, welche 
König Heinrich I. in der oberen Halle seiner Pfalz zu Merseburg aus- 
1 Wetter, Geschichte und Beschreibung des Domes zu Mainz, S. 156.
        

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