Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689845
Erste Periode. 
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aus Italien herübergeführt wurden. Einsder dortigen Gebäude aus dieser 
Epoche wird mit dem Namen der „Rotundel' bezeichnet. Erhalten ist 
hievon nichts als, wie es scheint, eine Anzahl von Säulenschaften aus 
Granit und Marmor, die in den jüngern Bauten des dortigen Doms und 
der Krypta der Kirche U. L. Frauen verwandt sind. 
Eine ansehnliche bauliche Anlage jener Gegend war das zu Gern- 
rode im Jahr 961 gegründete Frauenkloster, eine Familienstiftung des 
5   mächtigen Markgrafen Gero. 
Die vorhandene Stiftskirche, 
 mehrfach umgewandelt, scheint 
 in ihrem Kerne das in Folge 
 der Stiftung ausgeführte Ge- 
 t  bäude zu sein: eine Basilika 
    mit Emporen über den Seiten- 
T1 ÄÜ-Qlil SLQ?"  schilfen, im innern System 
  des Schitfbaues von einer 
Äilllltüfup D"       Anlage, (11111 ein Vorbild des 
f llllwu,  ÄFX", 5 I, w  Jungeren sachslschen Basili- 
"  gffllil  l- x,   kenbaues ausmacht: Pfeiler, 
 {m  mllälf, mit kräftigen, stark verjüng- 
 t? i:   iitijßifspl"   ten Säulen wechselnd, die 
  N i X1" letzteren mit Blattkapitälen 
41:  [im  m,  von einer spielend byzantini- 
 rfjifg,   sirenden Behandlung, die Ar- 
llll   pi,   1   kadenbögen über den Säulen 
i:  äw     5;: in. eigner Weise ansetzend, 
  Ü, lt  mit giebelartigen Ausschnit- 
 " h   M11 ten, welche noch wie eine 
im i l  "w [Yen-Früh l Reminiscenz von Motiven der 
Vom Westbau der Stiftskirche zu Gernrode. (Nach Puttrich.) kaI-Olingischen Epoche ge_ 
mahnen. Im Aeussern der Westseite (zu den Seiten einer später Xhinzu- 
gefügten westlichen Absis) zwei Rundthürme, mit Pilastern geschmückt, 
die an dem einen Thurm durch kleine Rundbögen, an dem andern, eben- 
falls in karolingischer Art und an Motive des Holzbaues erinnernd, durch 
Sparrengiebel verbunden sind.  
 Ob der Untertheil des Westbaues der Klosterkirche zu Corvey, im 
Inneren mit antikisirenden Säulen und antikisirendem Gebälkaufsatz die- 
ser oder noch früherer Zeit (als Rest eines im Jahr 885 geweihten Ge- 
bäudes), oder ob er vielleicht jüngerer Erneuung angehört, der solche 
Wiederaufnahme antikisirender Formen ebenfalls entsprechen könnte, muSS 
dahingestellt bleiben.  Dagegen ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass 
der Kern des Domes zu Mainz, eines vielfach umgewandelten Gebäudes, 
in der That noch aus dem Schlusse dieser Periode herrührt. Er war 
durch Erzbischof Willigis, den gewaltigen Kanzler des Reiches unter 
Otto II., als stattlicher Steinbau von 978 bis 1009 errichtet worden," ein 
unmittelbar darauf erfolgter Brand kann ebenso, wie es bei zahlreichen 
späteren Bränden der Fall war, jenen Kern unzerstört gelassen haben. 
Hiezu gehören die inneren Schitfarkaden, welche die ursprüngliche An- 
Kugler, Handbuch der läunstgeschichte. I. 
        

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