Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689714
Die 
walachische 
Kunst 
Das Wenige, was wir bis jetzt von den Bauwerken der Walachei 
wissen, zeigt uns dieselben in Plananlage und im System des Aufbaues 
abhängig von der späteren byzantinischen Architektur. Kuppelbauten in 
mannigfacher Verbindung und Ausbildung beherrschen fast ohne Ausnahme 
die Kirchen dieses Landes. So die Hauptkirche der Stadt Kurtea d'Ar- 
gyisch, deren Erbauung dem ersten walachischen Fürsten Radul Negru 
(1290-1314) zugeschrieben wird, 1 eine Annahme, deren Richtigkeit wir 
aus Mangel an bildlicher Anschauung dahingestellt sein lassen. Sie bildet 
ein Quadrat, über dessen Mitte auf pfeilergetragenem rundem Tambour 
eine Kuppel aufsteigt, und an dessen drei Seiten sich Halbkreisnischen 
mit Halbkuppeln lehnen, während an der vierten, westlichen Seite ein 
innerer Narthex mit zwei kleineren Kuppeln und eine äussere Vorhalle 
sich anschliessen. DasMauerwerk besteht wie bei vielen anderen Kirchen 
der Walachei aus wechselnden Schichten von Hausteinen und Ziegeln. 
Eine andere, kleinere, in Trümmern liegende Kirche derselben Stadt, ist 
eine ziemlich rohe einschiffige Basilika mit östlicher Absis und westlichem 
Thurm. Diese Abweichung vom byzantinischen Schema wird vielleicht 
durch auswärtigen Einfluss zu erklären sein. Hat die Ueberlieferung 
recht, welche diese Kirche von der aus Ungarn stammenden Gemahlin 
jenes Fürsten gestiftet sein lässt, so gewänne die Vermuthung einer frem- 
den Bauführung _an Wahrscheinlichkeit. 
Wichtiger als jene beiden und wohl auch die meisten Kirchen des 
Landes erscheint die unfern derselben Stadt liegende bischöfliche K10- 
sterkirche von Kurtea d'Argyisch, 2 die vom Fürsten Nyagon (1511 
bis 1520) erbaut und von dessen Schwiegersohn Radul 1526 vollendet 
wurde. In diesem prachtvollen Bau vermischt sich die byzantinische An- 
lage mit den dekorativen Formen der entwickelten muhammedanischen 
Architektur zu glänzender Wirkung. Zwei überschlanke Kuppeln erheben 
sich aus der Mitte, die östliche über einem quadratischen Raume, der an 
drei Seiten wiederum durch Nischen mit Halbkuppeln sich kreuzartig 
erweitert. Die westliche Kuppel steigt über einem hohen Tambour auf, 
der mittelst Pendentivs auf 12 quadratisch gestellten Säulen ruht. Auf 
drei Seiten wird dieser Theil von Umgängen umgeben, die an der West- 
seite sich als Narthex mit zwei schlanken Kuppeln gestalten. Das Innere 
ist ganz mit Wandgemälden bedeckt und erhält durch schmale mit Mar- 
morplatten ausgesetzte Fenster nur wenig Licht. Das Aeussere dagegen 
prangt an den Wandtlächen, den Gesimsen, Fenstern und den Tambour- 
wänden der Kuppel in einer verschwenderischen Ornamentik, deren glän- 
zende lineare Spiele theils an altchristlich-byzantinische Muster, theils 
an muhammedanische Vorbilder erinnern. Letztere machen sich auch an 
1 Dies und das folgende nach L. Reissenberger's Aufsatz im Jahrbuch der 
Wiener Central-Commission zu? Erforschung der Denkmals. IV. Band. S. 178 ff. 
 2 VorzüglicheAufnahmen In dem oben oitirten Bande des österreich. Jahr- 
buches.
        

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