Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1686450
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Vorstufen künstlerischer 
Gestaltning. 
an den Monumenten erscheint, zugleich aber auch eine selbständige Lite- 
ratur zur Folge hatte. 
Das Dunkel der mexikanischen Geschichte ist noch wenig gelichtet. 
Die alten Ueberlieferungen lassen die Völker, welche das Land beherrsch- 
ten, aus nördlieheren Gegenden Amerikas hereinziehen; sie berichten 
von mehrfach wiederholten Völkerzügen solcher Art, so dass die nach- 
folgenden die schon ansässigen Völker weiter gen Süden drängen, dass 
sich namentlich auch verschiedene Schichten der Bevölkerung übereinander 
legen mochten. Das älteste Volk, das der Tulteken, dem zugleich die 
Begründung der mexikanischen Cultur zugeschrieben wird, soll im 7ten 
Jahrhundert n. Ohr. Geb.,  das jüngste, das wilde Volk der Azteken, 
im 12ten Jahrhundert eingewandert sein. Die Azteken waren das Herr- 
schervolk und die Zustände des Staates bereits entartet, als im löten 
Jahrhundert die Spanier Mexico eroberten. Gewisse Unterschiede in der 
Erscheinung der Denkmäler und im künstlerischen Style derselben scheinen 
durch Unterschiede im Charakter jener Volksstämme bedingt zu sein; 
wir sind aber, nach unsern gegenwärtigen Kenntnissen des mexikanischen 
Alterthums und seiner Denkmäler, noch nicht im Stande, hienach irgend- 
wie den besonderen historischen Gang der Gestaltung der dortigen Kunst 
näher zu bestimmen. 
Architektonische 
Denkmäler. 
Die Denkmäler, soviel davon überhaupt bis jetzt durchforscht und 
unsrer Kenntniss entgcgengeführt ist, sind in sehr verschiedenartiger Be- 
schaffenheit auf unsre Zeit gekommen. WVo nach der blutigen spanischen 
Eroberung neue Stätten des Lebens sich bereiteten, sind sie grösstentheils 
vollig- zerstört, ist das wenige Erhaltene seines ursprünglichen Schmuckes 
völlig beraubt. ÄVo dagegen der Urwald sich über diese ausgestorbene 
Welt hinbreitete, da hat sich die alte Pracht der Denkmäler zum Theil 
in überraschender Reinheit erhalten. Aber freilich arbeitet die Ueber- 
gewalt der tropischen Vegetation, wenn auch etwas langsamer, doch nicht 
minder nachdrücklich, als es bei den übrigen die Wuth der Menschen 
gethan, an ihrer Zerstörung.  Die wichtigsten Denkmäler, von denen 
wir bis jetzt wissen, sind, von Nordwest gegen Südost fortschreitend, die 
folgenden. 1  
1) Zumeist nordwärts, am Rio Gila, die Oasas grandes (grossen 
Häuser), über die wir nur die unbestimmten Nachrichten älterer Reisen- 
den besitzen,  Baulichkeiten, die sich auf den Umfang einer Quadrat- 
meile ausdehnen sollen; das Hauptgebäude, in der Mitte der übrigen, ein 
Stufenbau, der an der Basis 566 F. lang und 419 F. breit sein soll. 
2) Im Staate von Zacatecas die Ruinen von La Quemada, bei 
Villa nueva, Reste einer ansehnlichen Stadt, besonders einer Anzahl von 
Tempelräumen, die mit Mauern umschlossen oder mit Priesterwohnungen 
1 Schätzenswerthe Ergänzungen und Berichtigungen zu diesem Abschnitt ver- 
danke ich schriftlichen Mnttheilungen des Herrn Dr. H. Berendt in Veracruz. 
W. L.
        

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