Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689667
der muhammedanischen Kunst. 
Vierte Periode 
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Gemahlin Nurjehan bei Agra, welehesden Namen des Tadsche Mahal 
ghrt, ein Kuppelbau aus klarem weissem Marmor, dessen Inneres mit 
delstein-Mosaiken erfüllt ist.  
Andre Bauten, Paläste, Moscheen, Mausoleen, zum Theil ebenfalls 
von höchst bedeutender Pracht, linden sich zu Allahabad, Iuanpore, 
Moneah, Ahmedabad u. s. w. Sehr eigenthümhchen Charakter tragen 
die von Bidjapur (B ejapur) im Dekan, der Residenzstadt eines bis zur 
Mitte des siebzehnten Jahrhunderts blühenden selbständigen Reiches. Die 
hier erhaltenen Monumente scheinen sieh von jenen hindostanisehen, mit 
deren Oompositionsweise sie-sonst übereinstimmen, durch noch mehr Phan-- 
tasiefülle, noch markigere Gliederung zu unterscheiden und hiemit eine 
noch lebendigere Aneignung hinduisehen Kunstsinnes, doch allerdings in 
dessen glücklichster Bethätigung, anzukündigen.  In ähnlicher Weise 
tritt die muhammedanische Kunstform dann unmittelbar der späthindui- 
schen zur Seite, in den Trümmern einer prachtvollen Palastanlage zu 
Madura im Süden des Dekan, 1 wo zugleich jene mächtig barocken Bau- 
ten hinduischer Spätzeit (S. 289,  Beides vielleicht ein und derselben 
Epoche angehörig) sich vorfinden.  Das letzte grossartige Werk indisch 
muhammedanischer Architektur ist das Mausoleum Hyder Ali's zu Serin- 
gapatam, aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, eine An- 
lage, in welcher die Elemente des Styles von Bidjapur wiederum ins 
willkürlich Barocke umgebildet erscheinen.  
Mit der Regierung der persischen Sofiden war die religiöse Sekte 
der Schiiten zur Herrschaft gekommen, welche die Vorschriften der Suna 
(der Bücher der Ueberlieferung, die den geoifenbarten Büchern des Koran 
gefolgt waren,) und mit ihnen das unbedingte Bilderverbot nicht aner- 
kannte. In Folge dieses Verhältnisses ergab sich eine namhafte Thätig- 
keit in den Fächern der figürlich bildenden Kunst. Ebenso auch bei den 
Muhammedanern Ostindiens. Das Band wurde freilich zu spät gelöst, 
als dass noch eine wahrhafte Entwickelung des bis dahin verpönten künst- 
lerischen Triebes, in seinem naturnothwendigen Stufengange, hätte erfol- 
gen können; das Gesammtwesen der muhammedanischen Kunst stand 
schon auf der letzten Stufe seiner Ausbildung, und für das Einzelfach 
war das Verlorne nicht mehr nachzuholen. Es War der bildenden Kunst 
dieser Lande somit von vornherein versagt, zu einem Standpunkte selb- 
ständig freierer Entfaltung zu gelangen; doch ist schon ihr Dasein, ist 
der Inhalt der Gegenstände; welche sie behandelt, nicht ohne Interesse; 
Ihr nächstes Vorbildscheint die späthinduische Kunst, d. h. die in den 
Darstellungen des Lebens doch mehrfach beachtenswerthe Malerei der 
Hindus (S. 289 u. f.) gewesen zu sein. Sie hat eine ähnlich conventionelle 
Behandlung bei naiver Beobachtung der Situationen des Lebens, aber 
ohne tiefere Durchbildung, ohne individualisirende Befreiung der Gestalt- 
Solcher Art ist eine Anzahl grosser und figurenreicher Gemälde, feier-- 
liche Audienzen, kriegerische Scenen, Jagden, Gastgelage vorstellend, die 
1 Denkm. 
Kunst, 
Taf. 
Fiä?
        

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