Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689646
Vierte Periode 
der 
muhammedanischen Kunst. 
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Thoren und glänzenderen Moscheen, namentlich der grossen Moschee oder 
Medschid-Schah, welche durch einen besoudern Vorhof von dem Meidan 
getrennt und durch den perspectivischen Reiz mehrfacher Portalbauten 
(auch vor den zu ihr gehörigen kleinen Seitenmoscheen) und die hie- 
durch gesteigerten Effekte ihrer dekorativen Ausstattung von fast zaub- 
riseher Wirkung ist. Ferner die von Schah Ahbas für sich und- seinen 
Hofhalt erbauten, in einem weitläuftigen Gartenlokal belegenen Paläste, 
welche, mehr an die altpersepolitanische Weise als an arabische Sitte 
erinnernd, durch ihre Vorhallen mit Reihen von Säulen eines luftig 
schlanken Verhältnisses und mit weitausladenden Schattendächern, sowie 
durch die verschiedenartigsten Gebilde einer üppig phantastischen Deko- 
ration das Staunen der Besucher hervorrufen. Die ganze Fülle einer 
derartig gestalteten Pracht herrscht in dem eigentlich königlichen Wohn- 
hause, dem "Tschehel Seitun."  Andre Bauten zu Ispahan gehören dem 
weiteren Verlaufe des siebzehnten und dem Anfange des achtzehnten Jahr- 
hunderts an. Unter den letzteren ein, um das J. 1730 gebauter, mit einer 
besondern Moschee verbundene Medresseh im Quartier der Paläste, dessen 
Ausstattung im Wesentlichen noch dasselbe reizvolle Formenspiel zeigt, 
aber die Linien des Ornamentes in einer schon etwas barocken Weise 
bildet. 
In Teheran,  seit Ende des vorigen Jahrhunderts die königliche 
Residenz von Persien,  erscheint der Styl der Prachtanlagen von Is- 
pahan thunlichst nachgebildet. Doch bezeugt das hier im Einzelnen aus- 
schweifender hervortretende barocke Element die gesteigerte Entartung 
des künstlerischen Geschmackes. 
In Hindostan ist es die im J. 1526 beginnende Dynastie der Gross- 
moguls, die sich in glanzvollen Monumenten entsprechender Richtung be- 
thätigt und besonders in der Zeit von der Mitte des sechzehnten bis zur 
Mitte des siebzehnten Jahrhunderts höchst bedeutende Werke entstehen 
macht. Die hindostanische Moschee ist der persischen in dem Wesent- 
lichen der Anordnung ähnlich; auch wiederholen sich dieselben Elemente 
architektonischer Composition an den grossartigcn Mausoleen, in deren 
Errichtung die Personen jenes Herrschergeschlechtes und die ihm Nach- 
strebenden den höchsten Ruhm gesucht haben. Aber die bauliche Masse 
ist nicht so ausschliesslich wie in der persischen Kunst auf die 0rnamen- 
tale Bekleidung berechnet; sie selbst und ihre Gliederung macht sich in 
einer mehr markigen Weise geltend, und die Ornamentik, theils unmit- 
telbar aus dem verschiedenfarbigen edeln Material des Baues selbst (z. B. 
weissem Marmor und rothem Granit) hervorgehend, theils musiviseh bunte 
Füllungen aus werthvollstem Gestein bildend, fügt sich mehr den Ei11zel- 
theilen der Masse ein. Ein mehr malerisches Wechselverhältniss, eine 
wirksame Gruppirung des Einzelnen zum Ganzen, der Nebenbauten zu 
dem Hauptgebäude wird erstrebt; die mächtigen Thorbauten, die in er- 
habener Kühnheit aufsteigenden Minarets, die zackenbogigen Vorhallen 
tragen dazu bei, die feierliche Würde des Hauptbaues völlig zur Geltung 
kommen zu lassen. In dem lebhafteren Triebe nach Detaillirung, zum
        

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