Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689610
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Die muhammedanische Kunst etc. 
Rundform alt-hinduischer Denkmäler zur Seite. Nicht minder dürfte auch 
der Sinn der gleichzeitigen occidentalisch-modernen Architektur, welche 
bei ihren erhabensten Domen vor Allem auf den Gewinn der Kuppelform 
bedacht war, auf diese vorherrschende Gestaltung des mllllflmmedanischen 
Monumentalbaues in seiner Schlussperiode von Einfluss gewesen sein. 
Constantinopel war im J. 1453 von den Osmanen erobert wor- 
den; es wurde statt Brussa in Klein-Asien die Residenz der osmanischen 
Herrscher, deren Reich sich in rascher Folge über weitere und weitere 
Länderstrecken ausdehnte. Die griechischen Kirchen von Constantinopel 
wurden osmanische Moscheen; die Sophienkirche Justinian's wurde erste 
kaiserliche Moschee. Hatten sich schon in der vorigen Periode die mo- 
numentalen Unternehmungen der Osmanen den Grunddispositionen der 
byzantinischen Architektur in auffälliger Weise angenähert, so musste 
dies nunmehr, da man sich in den Hauptwerken der letzteren unmittelbar 
eingerichtet, zu einem noch ungleich entschiedneren Anschlusse führen. 
In der That wird die Anlage der türkischen Moschee jetzt in allen we- 
sentlichen Theilen eine völlig byzantinische, ist es bei den grossartigen 
Monumenten, Welche neu errichtet werden, vor Allem darauf abgesehen, 
das Muster der Sophienkirche zu erreichen oder wo möglich zu übertref- 
fen. Doch folgt die Detailbildung, die Behandlung der Bögen, die der 
schmückenden Ausstattung zumeist derjenigen Weise, welche sich bereits 
in den Denkmälern von Brussa ausgeprägt hatte. Im Einzelnen auch 
wird die Weise der Dekoration, die in Persien heimisch war und dort 
eine fortschreitend glänzendere Piiege fand, herübergenommen. Zur höhe- 
ren, selbständig eigenthümlichen Durchbildung, auf solcher Grundlage, 
gelangte die türkische Architektur indess nicht. Bemerkenswerth sind 
etwa die leichten, im räumlichen Sinne zumeist anmuthig wirkenden Ar- 
kadenhallen der Höfe, welche sich jetzt dem massigen Körper des Mo- 
scheegebäudes vorlegen, besonders aber die überaus leichten Minarets, 
welche auf dessen Ecken, im wirksamsten Gegensatz gegen seine lastende 
Masse, schlank emporschiessen. 
Die Moschee des Ejub (1458, in der gleichnamigen Vorstadt), die 
M. Muhammed's II. (1469), die M. Bajazetls II. (1505), die M. Selimis I. 
(1526) sind als die ersten bedeutenderen Moscheen zu nennen, welche 
unter türkischer Herrschaft in Constantinopel erbaut wurden. lhnen 
folgen die der Epoche des mächtigsten der osmanischen Herrscher, Soli- 
marfs II., welche zugleich die der gediegensten Entfaltung der türkischen 
Architektur ausmacht. Sinan, der Baumeister Solimans, welcher für 
den letzteren zahllose Bauten ausführte, war der Künstler, der diese 
glänzenden Erfolge vorzugsweise bewirkte. Als seine Hauptwerke sind 
an Monumenten Oonstantinopells zu nennen: die Prinzen-Moschee (Scheh- 
sadegan-Dschamissi), vom J. 1548, und die Moschee Solimanls, vom Jahr 
1555, welche letztere in gediegen klarer Weise eine der Sophienkirche 
entsprechende Anordnung mit jenen charakteristisch orientalischen Formen 
in der Gestaltung ihrer inneren Theile vereint. Das neben dieser Moschee 
befindliche Mausoleum Soliman's, ein achteckiger Kuppelbau, ist durch 
die Reinheit seiner Verhältnisse vorzugsweise ansprechend und von selt- 
ner Klarheit auch in den äusseren architektonischen Formen. Ein andres
        

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