Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689600
Vierte 
Periode 
der 
muhammedanisßhen 
Kunst. 
Die vierte Periode der muhammedanischen Kunst umfasst die Erzeug- 
nisse derselben seit der Zeit um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts. 
Die westlichen Lande nehmen nur noch im untergeordnetsten 
Maasse Theil; auch beschränkt sich ihre Thätigkeit, wie es scheint, ledig- 
lich auf Reproduction überkommener Formen. Dahin gehört das Wenige, 
was in Spanien, unter christlicher Herrschaft, als Nachahmung mauri- 
scher Anlagen und im zunächst noch fortdauernden Wohlgefallen an deren 
Erscheinung, ausgeführt wurde. Es sind besonders einige Arkadenhöfe 
zu Sevilla, wie der vor dem Audienzsaale des Alcazars und der des 
Palastes Medina Ooeli (des sogenannten Hauses des Pilatus), welche in 
der früheren Zeit des sechzehnten Jahrhunderts erbaut wurden und der 
etwas schweren Wiederholung sevillanisch maurischer Elemente im Ein- 
zelnen schon moderne Formen heimischen.  Die Westlande von Afrika 
scheinen durch die Aufnahme der aus Spanien zu Ende des fünfzehnten 
Jahrhunderts flüchtenden Mauren mancherlei künstlerischen Anstoss em- 
pfangen zu haben, doch aber nicht zu namhaft eigenthümlichen Entwicke- 
lungen gelangt zu sein. Die bedeutenderen Städte dieser Gegend, Ma- 
rokko vornehmlich, dann Fez, Tanger, Algier, Tunis, Tripoli, enthal- 
ten zahlreiche monumentale Bauwerke, denen es im Einzelnen nicht an glän- 
zender Ausstattung mangelt. Die entschieden vorherrschende Anlage der 
Moscheen ist die der alten Hofdisposition und des Hallenbaues. In der 
Bogenbildung Wechseln Hufeisenbogen und Spitzbogen mit geschweiften 
und gezackten Formen. "Das künstlerische Element ist, soweit unsdar- 
über eine Kunde vorliegt, im Allgemeinen kein sonderlich bedeutendes. 
Das Wesentliche in der künstlerischen Thätigkeit dieser Schluss- 
periode gehört ausschliesslich den östlichen Landen des Muhammeda- 
nismus, den grossen Mächten, welche hier  in der Türkei, in Persien, 
in Hindostan  hervortreten, der Ausstattung der Residenzen ihrer Herr- 
scher an. Das monumentale Wesen dieser Lande gewinnt einen charak- 
teristisch gemeinsamen Grundzug, der in gleicher Art auf die Darlegung 
erhabener Herrschermajestät gerichtet ist und sich nur in der Einzeldurch- 
bildung in den verschiedenen Landen verschieden gestaltet. Es ist der, 
durchaus vorherrschende Kuppelbau, der ebenso dem Inneren des baulichen 
Monumentes wie seiner äusseren architektonischen und landschaftlichen 
Erscheinung jenes Gepräge giebt. Es darf vorausgesetzt werden, dass 
verschiedene äussere Umstände zusammentrafen, den Sinn auf diese Haupt- 
und Grundform zu lenken und, wohl nicht ohne Wechselaustausch des 
gewonnenen Resultates, in ihr zu befestigen. Der schon üblichen und 
schon in gesteigert grossartigem Sinne behandelten Kuppelform der Mau- 
soleen trat das machtvoll byzantinische Vorbild einerseits, trat andrerseits 
die unvergessene, 0b zum Theil auch barock umgestaltete schwellende
        

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