Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1686443
Mexico 
(Zentral-Amerika. 
und 
13 
nächst auf der schlichtesten und urthümlichen Monumentalform, deren 
unbestimmte und ungenaue Erscheinung hier (entschiedener und ungleich 
häufiger wiederkehrend als bei den eben besprochenen Denkmälerkreisen) 
111 eine charakteristisch bestimmte und gemessene umgewandelt ist. Was 
früher der rohe Hügel war, hat hier die Gestalt der regelmässigen Pyra- 
mide angenommen; diese steigt zumeist in mehreren Absätzen empor; 
Oberwärts ist sie abgeplattet. Sie ist der Mittelpunkt des religiösen Gul- 
tllß,  ein kolossaler Altar, auf welchem den Göttern die Opfer dar- 
gebracht wurden. Treppen führen zu dem Gipfel empor, der in der 
Regel, wie es scheint, mit kapellenartigen Bauten geschmückt war. Der 
für diesen Altartempel" eingeführte Name ist Teocalli. Die Anlage er- 
weitert und verbreitet sich auch, der Art, dass ausgedehntere Baulich- 
keiten von einem pyramidalen Unterbau getragen werden; anderweit scheint 
selbst noch die Anlage gestreckter Terrassen, als Basis für Bauwerke, 
welche über den Boden des gewöhnlichen Lebens erhoben werden sollten, 
auf das Verhältniss der Pyramide zurückzudeuten. Zu den Seiten der 
Teocallfs finden sich Höfe und Paläste, ohne Zweifel für priesterliche 
Zwecke angeordnet, auch selbständige Palastbauten. Alle diese Gebäude, 
die ein Inneres umschliessen, sind wiederum von einfachster Anlage. Die 
urthümliche Technik, eine feste Bedeckung durch übereinander verkra- 
gende Steine hervorzubringen (deren innere Kanten in gemeinsamer hoch- 
aufsteigender Schräge abgeglättet zu sein pfiegen), hat zumeist nur die 
Anlage schmaler, langgestreckter Räume erstattet. Die aussere Dachung 
befolgt zuweilen jene Schräge (d. h. auch sie wiederum hat eine pyramidale 
Form), erscheint in den meisten Fällen aber als feste horizontal abgeglichene 
Masse. Nur die Thiiren geben dabei zu einer räumlichen Gliederung 
Anlass; selten rücken sie so nahe zusammen, dass die Wandtheile zwi- 
schen ihnen zu Pfeilern werden; fast noch seltner sind einfache Rund- 
säulen angewandt. Gesimse theilen die äusseren Massen, bei den pyra- 
midalen wie bei den übrigen Bauten, sie haben durchaus noch das 
einfachste Profil, als viereckige Bänder, rechtwinklig oder spitzwinklig 
vorspringend. Aber die Gesimsc werden selbst zuweilen zur gewaltsamen 
Masse, oder sie sehliessen Felder zwischen sich ein, die häufig mit den 
reichsten Verzierungen bedeckt sind. Die letzteren entwickeln aus der 
Combination einfachster Formen die mannigfaltigsten, gelegentlich im 
edelsten Geschmacke gebildeten Muster; oft aber tritt ein phantastisches 
Schnörkelwerk hinzu, welches in mehr oder weniger gebundener Nach- 
bildung natürlicher Erscheinungen, bis zum völlig Ungeheuerlichen und 
Monstrosen hinausgeht. "Mehrfach auch führt die Nachahmung von For- 
men, welche sich im schlichten Bedürfnissbau (im Holzbau) ergeben hat- 
ten, zu eigenthümlichen Motiven für die architektonische Dekoration. Die 
eigentlich bildnerische Kunst findet hiebei gleichfalls ihre Stätte; sie liebt 
es nicht minder, ihren Gestalten einen ausschweifend phantastischen Zug 
zu geben. Alles war, wie sich aus vielfachen Spuren ergeben hat, durchaus 
mit bunten Farben ausgestattet; die Wandflächen im Inneren waren häuüg 
mit eigentlichen Malereien bedeckt. Das Bildwerk diente zu näheren 
Bezeichnung der Bedeutung des einzelnen Monumentes. Es hatte sich 
Zugleich zu einer förmlichen Bilderschrift entwickelt, welche ab und zu
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.