Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689555
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etc. 
Die muhammedanisohe Kunst 
Gepräge des in den christlichen Malerschulen der Zeit ausgebildeten 
Styles. 1  
Zu den Anlagen maurischen Styles, die ausserhalb Granada, im 
christlichen Spanien, ausgeführt wurden, gehört als ein Hauptwerk der 
prachtvolle Audienzsaal mit seinen Nebenräumen im Alcazar von Sevilla, 
den König Peter der Grausame bald nach der Mitte des vierzehnten Jahr- 
hunderts erbauen liess. Auch hier herrschst eine Einrichtung, welche das 
Ganze wie ein teppichähnliches Schmuckwerk behandelt; doch ist die 
architektonische Formation nicht in derselben unbedingten WVeise, wie im 
Alhambraschlosse, der dekorativen Lust geopfert. Die Arkaden, welche sich 
nach den Seitengemächern des Saales öffnen, haben wiederum die entscheiden- 
dere Hufeisenform, über Säulen, welche der Antike nachgebildet erscheinen; 
auch haben die Arkaden im Ganzen einen festeren architektonischen Ein- 
schluss.  Eine ähnliche, an dem energischen Charakter der vorigen Periode 
etwas mehr festhaltende Behandlung zeigt sich auch an andern baulichen 
Monumenten der Zeit, deren verschiedene sich namentlich zu T ole do erhalten 
haben. Der dort befindliche sogenannte „Taller del moro," gleichfalls ein Theil 
eines Palastbaues, hat die Reste einer dekorativen Ausstattung von ver- 
wandter Pracht. 
Aegypten stand in dieser Periode unter der Herrschaft der mame- 
lukischen Sultane. Ihrer Zeit gehöreneinigc Moscheen zu Kairo an, 
welche auch ihrerseits das Streben nach glänzender Behandlung, doch zu- 
gleich den Mangel einer bestimmten Schule und Richtung erkennen lassen. 
Eine dieser Moscheen, vom J. 1305, ist die mit andern Räumlichkeiten 
und besonders mit dem Grabmal des Erbauers verbundene M. Kalaun; 
das Grabmal und die der Strasse zugekehrte Faeade der Moschee sind 
reich und eigenthiimlich behandelt, doch in einer Weise, welche eine Ein- 
mischung des italienisch mittelalterlichen Geschmackes zu verrathen scheint. 
Aehnlich ein prächtiger und in edler Form ausgeführter Portalbau bei der 
Moschee E1 Azhar. Sehr eigenthümlich dagegen ist die Moschee Has- 
san vom J. 1379. 2 Sie hat die alte Hofeinrichtung, aber in einer Um- 
bildung, welche eine grossartigere und mehr einheitliche räumliche Wir- 
kung erstrebt. Die Hallen umher, sowohl die geringeren an den Seiten 
als die grössere für die fgottesdienstlichen Zwecke, sind eine jede zum 
mächtigen, vorn oifnen, mit hohem spitzbogigen Tonnengewölbe überdeck- 
ten Raume geworden. Hinterwärts schliesst sich das Grabmal des Er- 
bauers als ebenso mächtiger, reich geschmückter Kuppelbau, mit höchst 
stattlichen Minarets zu den Seiten, an. Dagegen hat die Moschee El 
Moyedß angeblich vom J. 1440, Wiederum völlig die alte Hofdisposition, 
mit umgebenden Arkadenhallen in wenig künstlerischer Behandlung. Ein 
kleines, mehr geschlossenes Gebäude ist die Moschee Kaitbai, vom 
1' Eine nähere Charakteristik dieser Gemälde, nach treiflichen Copien von 
E. Grerhardt, in meinen kl. SchriftenfII, S. 687. Ich hatte geglaubt. sie als 
Arbeiten eines christlich spanischen Künstlers aus der Frühzeit des fünfzehnten 
Jahrhunderts bezeichnen zu dürfen; Passavant (die christliche Kunst in Spanien, 
S. 68) eignet sie der Hand eines Italieners vom Schlüsse des vierzehnten Jahr- 
hunderts zu.  2 Denkm. d. K., Taf. 39, Fig. 9u. 10.  3 Ebend. Fig. 1.x
        

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