Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689515
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etc 
muhammcdanische Kunst 
Die 
Gleichzeitig zeigt sich die seldschukische Kunst den Versuchen bild- 
nerischer Ausstattung nicht abgeneigt. Zahlreichen Figuren sitzender 
Löwen, welche der antiken Kunst angehören und zum Schmucke der bau- 
lichen Anlagen verwandt sind, gesellen sich einige zu, deren barbarische 
Arbeit füglich nur auf eine Beschaffung in dieser Epoche schliessen lässt. 
An dem spitzbogigen Portale, welches in den Bazar von Iconium führt, 
sind oberwärts, zu den Seiten des Bogens, schwebende Flügelgestalten, 
männlich bekleidete, angebracht, deren Styl lebhaft an sassanidische Sculp- 
turen erinnert. Das Grabmal der Fatma-Kadun zu N igdeh ist, neben 
seinen übrigen Zierden, mit eigenthümlich phantastischen Harpyentiguren 
geschmückt, welchesich auf allen Seiten des Monumentes wiederholen. 
U. s. w.  
 Für die muhammedanische Kunst dieser Periode in den mesopotami- 
sehen, den persischen, den indischen Landen fehlt es wiederum an Kunde 
und Anschauung. 
Dritte 
Periode 
der 
muhalnnledanischon 
Kunst. 
Die dritte Periode ist von der Mitte des dreizehnten bis zur Zeit 
um die Mitte, theilweise bis gegen den Schluss des fünfzehnten Jahrhun- 
derts hinabzuführen. Der Wechsel der politischen Verhältnisse bildet. 
auch hier den Rahmen, innerhalb dessen die neuen Entwickelungen der 
muhamrnedanischen Kunst zur Erscheinung kommen. Diese bestehen einer- 
seits in einer Durchbildung des Ornamentistischcn, welche auf dem Grunde 
und nach Maassgabe der bisher vorherrschenden baulichen Gestaltung das 
Wechselverhältniss zwischen Gesammt- und Einzelform zum vollsten Ein- 
klange bringt und die erdenklich reichste Wirkung harmonisch ausprägt; 
theils hängen sie mit einem Streben nach grösserer Totalität der bau- 
künstlerischen Composition zusammen und bilden hierin die Vorbereitun- 
gen und Uebergänge zu neuen Richtungen, welche in der folgenden Pe- 
riode ihre Erfüllung finden.  
Jene vollendete Entfaltung des bisherigen Strebens gehört insbesondrc 
Spanien an. Die muhammedanische Macht war zwar, zurückgedrängt 
von der christlichen, bereits auf einen kleinen Theil im Süden der Halb- 
insel eingeschränkt, auf das Königreich Granada, das als solches um die 
Mitte des dreizehnten Jahrhunderts beginnt und im J. 1492, mit der Er- 
oberung der Stadt Granada durch die christlichen Waffen und der Unter- 
drückung des muhammedanischen Glaubens in Spanien endet. Aber aller 
Glanz des maurischen Lebens fasste sich an dem Königshofe von Gra- 
nada zusammen und hinterliess sein künstlerisches Abbild in baulichen 
Monumenten, von denen namhafte Beispiele auf unsre Zeit gekommen 
sind. Auch fanden diese reizvollen Muster, unter dem vielseitigen und 
romantischen Verkehr zwischen den christlichen und den muhammedani- 
schen Bewohnern des Landes, bei den ersteren einen zu lebhaften Beifall, 
als dass sie dieselben nicht mehrfach hätten nachahmen oder selbst durch
        

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