Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689477
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muhammedanische Kunst 
Die 
Aussenmauern der letzteren (zum Einschlüsse der gegenwärtigen Kathe-- 
drale gehörend) und der mächtige Minaret, welcher den Namen der "G1- 
ralda" führt, sind noch erhalten. Hier macht sich eine Dekoration der 
architektonischen Masse durch grosse Feldertheilungen und eine Füllung 
der Felder durch reiche Ziegelmuster geltend. Die Giralda, in starker 
Masse viereckig und unverjüngt emporsteigend, ist durch diese Dekoration, 
welche zugleich im Wechselverhältniss mit der Fensteranordnung steht, 
von energisch prachtvoller Wirkung; sie hat, mit einem modern barocken 
Oberbau, welcher an die Stelle der früheren phantastisch maurischen Be- 
krönung getreten ist, eine Gesammthöhe von 260 Fuss. Anlage und Aus- 
stattung des Thurmes gaben das Vorbild für andre, wie sich solche, doch 
freilich von geringerer Bedeutung', an andern Baulichkeiten von Sevilla 
und der Umgegend vorfinden.  Auch das Schloss von Sevilla, der Al- 
cazar, empfing in dieser Epoche namhafte Erneuungen, von denen, neben 
älteren und ansehnlichen späteren Theilen, noch Stücke vorhanden sind. 
Sehr bedeutende monumentale Unternehmungen fanden gleichzeitig 
in den afrikanischen Stammlanden der herrschenden Geschlechter statt. 
Andalusische Baumeister wurden zu deren Ausführung herübergezogen. 
Marokko, die afrikanische Residenz, schmückte sich mit prächtigen Bau- 
werken; ebenso Fez, Rabat, Mansuria. Die Minarets der Haupt- 
moscheen von Marokko und Rabat entsprechen in dem Allgemeinen ihrer 
Anlage der Giralda von Sevilla; die drei Thürme sollen von demselben 
Architekten, Geber, erbaut worden sein. Es fehlt indess noch an einge- 
hender Kunde über die marokkanischen Monumente und somit auch an 
dem Nachweise darüber, wieviel im Uebrigen aus der in Rede stehenden 
Epoche erhalten ist. , 
Sicilien besitzt einige Bauwerke muhammerlanischen Styles, Welche 
in diese Epoche fallen. Es ist zwar nicht sicher festgestellt, 0b überhaupt 
Etwas von ihnen wirklich noch der muhammedanischen Herrschaft, welche 
hier bereits in der Spätzeit des elften Jahrhunderts ihr Ende erreichte, 
angehört; ihr Gepräge ist aber entschieden das der muhammedanischen 
Kunst, der sich, wie dem sonstigen Reichthume arabischer Cultur, die 
neuen normannischen Herrscher zunächst gern zuneigten. 
Es sind einige Schlösser in der Umgebung von Palermo, Lustsitze, 
die mit reichen Gartenanlagen umgeben waren. lhnAeusseres giebt sich 
 charakteristisch für die in Rede stehenden Erytwickelungsverhältnisse 
der Kunst und zugleich für historische Zustände, in welchen die steten 
Wechselfälle des Krieges maassgebend sein mussten,  als energisch feste, 
kastellartige Masse, im geschlossenen Viereck, mit vortretendeu Erkern 
auf den Seiten, die Wandliächen durch hohe spitzbogige Nischen mit we- 
nig kleinen Fenstern erfüllt. Im Innern bildet sich ein mittlerer Haupt- 
raum, der ursprünglich, wie es scheint, unbedeckt war und dem sich, in 
mehreren Geschossen, die Seitenräume anschliessen. Reicher Schmuck war 
diesem Inneren, besonders dem Mittelraume, zugetheilt; die Ueberwölbun- 
gen der Wandnischen durch jene spielenden Zellengewölbe kommen hier 
mehrfach, zum Theil schon in reichlicher Ausbildung, vor. Wie bereits 
in dem Schlosse der Azzahra, so war auch hier das Innere durch sprin-
        

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