Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689435
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Die muhammedanische Kunst etc. 
äussere Grundriss liebt keine Vorsprünge oder gestattet sie nur in Aus- 
nahmefällen; so treten selbst die Tribunen der Altarseite insgemein nicht 
nach aussen vor; statt dessen sind schmale und hechaufsteigende Drei- 
ecknischen zur äusseren Scheidung der Tribunen, auch an den Langseiten 
zur anderweitigen Raumabtheilung, angeordnet. Die äussere Bedeckung 
der Räume ist überall massives Steinwerk, in der Form der Dachschräge, 
 über den Kuppeln, besonders charakteristisch für die Gesammterschei- 
nung, als polygonische Pyramide; hiemit sind geradlinige, kräftig wirkende 
Kranzgesimse verbunden. Bei durchgehend nicht bedeutenden Dimensio- 
nen gewinnt das Aeussere der Gebäude durch diese Einrichtungen eine 
eigenthümliche Energie, welche von dem Typus des Byzantinischcn we- 
sentlich abweicht und auf einen anderweitigen Oultilrzusammenhang,  
ohne Zweifel mit Elementen, welche sich in jenen östlichen Gegenden 
schon herausgebildet hatten, schliessen lässt. Zugleich aber, und fast in 
Widerspruch hiemit, verbindet sich mit dieser architektonischen Gesammt- 
fassung eine fast spielende Dekoration, auch sie vorzugsweise am Aeus- 
seren des Gebäudes. Es sind flache Reliefarkaden mit dünnen rohrähn- 
liehen Säulchen, welche die Aussenwände zu erfüllen pflegen und in deren 
Details und Ornamenten die Formen einer naiven, wohl von Alters her 
landesüblichen Holzschnitztechnik nachzuklingen scheinen. Die Bögen 
dieser Arkaden sind halbrund oder auch hufeisenförmig; wie die letztere 
Form und das Spielende der Ausstattung überhaupt dem orientalischen 
Wesen entspricht, so mischt sich dann im Einzelnen manche speciell mu- 
hammedanische Dekorativform hinein. 
Die ältere Residenz des Landes war Vagharschabatl, unfern des 
heutigen Eriwan. In ihrer Nähe war schon im Anfang des vierten Jahr- 
hunderts die Kirche von Etschmiadzin, welches noch gegenwärtig der 
Sitz des armenischen Patriarchen ist, gegründet werden. Die dortige 
Kirche erscheint ihrer Anlage nach als ein alterthümlich byzantinisirender 
Bau, doch mit Theilen, welche einer sehr späten Erneuung angehören. 
Dagegen zeigt die Kirche der h. Ripsime, zu den Resten von Vaghar- 
schabad selbst gehörig und wohl aus dem zehnten Jahrhundert herrüh- 
rend, bei einigermaassen complicirten Grundrissformen des Inneren einen 
Aussenbau von charakteristisch armeniseher Anlage, aber noch ohne die 
dekorative Zuthat. Andre Baureste an andern Orten bezeichnen die 
Uebergänge zur vollen Entfaltung des armenischen Styles.  Diese er- 
scheint vorzugsweise an den Monumenten von Ani, welches in den Zei- 
ten jenes selbständigen Glanzes von Armenien die Residenz des Landes 
wurde. Es ist eine ansehnliche Trümmerstadt mit mehr oder weniger 
erhaltenen baulichen Resten, von strengerer oder zierlicherer Behandlung, 
fast durchgängig aus dem Schlusse des zehnten und dem Beginn des elf- 
ten Jahrhunderts xherrührend. Die Kathedrale des Ortes bildet das klarste 
und charaktervollste Beispiel des Styles; die Gewölbe ihres Inneren (Ton- 
nengewölbe) sind spitzbogig, die Kuppelpfeiler einfach gegliedert, fast 
schon nach occidentalisch belebterer Art. Unter einigen Centralbauten 
ist eine Grabkapelle mit stark heraustretenden Nischen und leichtem 
thurmartigem Oberbau hervorzuheben.  Dann sind die ehemalige Kirche 
zu Kars (jetzt die Moschee des Ortes) und der schwerere, zum Theil
        

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