Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689411
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etc. 
muhammedanische Kunst 
Die 
Einzelform, namentlich des Hufeisenbogens  es ist für jetzt nicht nach- 
zuweisen, welche Verinittelung ihn, der in solcher Art z. B. der syrisch- 
ägyptischen Architektur nicht eigen ist, nach Spanien hinübergeführt,  
bleibt zunächst charakteristisch für die spanisch-muhainmedanische Archi- 
tektur; die Art und Weise der Ornamentik ist vorzüglich bezeichnend 
für die Uebergänge aus der byzantinischen in eine selbständiger orien- 
talische Behandlung. 
Einzelne andre spanische Reste reihen sich als Zeugnisse derselben 
Frühepoche an. Eine im Hufeisenbogen überwölbte dekorative Nische, 
im Kreuzgange der Kathedrale von Tarragona, inschriftlich v. J. 960, 
ist interessant als Beleg einer noch mehr antikisirenden Strenge der Be- 
handlung. Ein basilikenartiger (nach christlichem Muster aufgeführter) 
Bau zu Toledo, die jetzige Kirche S. Roman, hat in seinen Hufeisen- 
bogen-Arkaden ebenfalls noch verdorben antikes Element, Während die 
dortige Kapelle Cristo de la Luz die reicheren Formen der Moschee von 
Cordova in roher Nachbildung wiederholt. Bäderanlagen, in verschiede- 
nen Städten Spaniens und auf der Insel lilajorca," tragen ebenfalls die 
Typen früh-muhammedanischer Kunst. 
Von einer prachtvollen baulichen Anlage, deren Glanz, wie es scheint, 
Alles iiberstrahlte, ist Nichts als die preisenden Berichte arabischer 
Schriftsteller auf unsre Zeit gekommen. Dies ist das königliche Schloss 
der Azzahra, welches in der ersten Hälfte des zehnten Jahrhunderts 
unfern von Oordova durch Abderrhaman III. angelegt und bereits im 
Laufe des elften Jahrhunderts zerstört wurde. Es enthielt zahlreiche 
aulichkeiten für die Wohnung und für den Hofhalt des Khalifen, die 
mit Gärten umgeben und mit lebendigen Wassern erfüllt waren. Die 
Zahl der Säulen, welche dorthin aus aller Welt, selbst aus Rom und 
Constantinopel, zusammengeschleppt waren, wird auf 4312 angegeben; 
die Säle waren mit Marmor gepliastert und bunt getäfelt, die Decken 
reizvoll mit Farbe und Vergoldung geschmückt; die Pforten bestanden 
aus Elfenbein und Ebenholz, aus versilbertem und vergoldetem Erz. Da- 
bei fehlte es nicht an mannigfachcm Bildwerk, dessen Verwendung in 
der muhammedanischen Kunst sich hier zum ersten Mal (denn jene Stücke 
in der Kapelle Villa Viciosa zu Oordova sind jünger) geltend macht. 
Zum Theil hatte Constantinopel dazu den Bedarf hergegeben, namentlich 
bei der dekorativen Ausstattung der wundersamen Springbrunnen. Der 
eine von diesen war mit menschlichen Bildern geschmückt; er hatte zu- 
gleich zwölf zu Oordova gearbeitete Thierliguren, aus Gold und kost- 
baren Steinen gebildet, deren Mäulern das Wasser entströmte. Das 
Schloss hatte seinen Namen _von einer geliebten Sklavin Abderrhaman's, 
deren Standbild über der Eingangspforte aufgestellt war. Ein kleiner 
phantastisch gebildeter Hirsch von Bronze, unter Trümmern, welche man 
für die des Schlosses hält, vorgefunden und in dem benachbarten Kloster 
S. Geronimo aufbewahrt, dürfte zu den Schmuckbildern des Schlosses 
gehört haben. 1 
Gir. 
de Prangeyv 
essai
        

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