Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689402
der muhnmmedanisuhen Kunst. 
Periode 
Erste 
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irgend eine in sich beschlossene Gesammtwirkung zu erstreben; aber das 
bauliche System der Arkaden, welche diese Hallen bildeten, gestaltete 
sich in eigenthümlich kräftiger Weise. Es wurden antike (oder der An- 
tike nachgebildete) Säulen von sehr mässigen Verhältnissen dazu ver- 
wandt; auf diese wurden, um für die Räume ein grösseres Höhenver- 
hältniss zu gewinnen, Pfeiler aufgesetzt, während sich von Kapitäl zu 
Kapitäl der Säulen, in der Flucht der Schiffe, freisehwebend energische 
Hufeisenbögen spannten, die Pfeiler obcrwärts durch Halbkreishögen ver- 
bunden wurden und über den von den letzteren getragenen Mauern das 
Zimmerwerk der Decke ruhte,  eine Constructionsweise, die mit ihren 
Doppelbögen und bei der ins fast Unendliche fortgesetzten Wiederholung 
einen höchst phantastischen, schon an sich entschieden dekorativ wirken- 
den Reiz hervorbrachte. Damit vereinigte sich in jenen hinteren, vor- 
aussetzlich um 965 hinzugefügten (jedenfalls in dieser Periode mit ihrer 
Prachtausstattung versehenen) Theilen eine reich sclimiickende Zuthat. 
Die Pfeiler über den Säulen des "Mittelschilfes wurden hier ebenfalls, in 
mannigfach dekorativer, an byzantinischen Geschmack erinncrnder Weise, 
säulenartig behandelt. Die Nische der Kiblah (hier das „Zancarron" ge- 
nannt) wurde zur kleinen, glänzend dekorirten Kapelle, ihr hufeisenbogen- 
artiges Portal und die N ebentheile desselben aufs Präehtigste mit Ornamenten 
bekleidet, welche, den constructiven Formen (z. B. den Keilsteinlagen der 
Bögen) folgend, den reichsten Wechsel byzantinisirenden Blattwerkes zur 
Erscheinung brachten. Der Raum zunächst vor der Kiblah, die "Mak- 
sura", wurde mit einer, in nicht minder bunten Formen geschmückten 
Kuppel gedeckt, die Bögen der Arkaden unter ihren Seiten in Zacken- 
formen phantastisch durcheinander geschlungen. Einen ähnlichen, mehr 
oder weniger reichen Schmuck empfingen auch die im Hufeisenbogen 
gewölbten Portale des Gebäudes, namentlich die, welche (schon in der 
ersten Anlage?) aus dem Hofe in die einzelnen Schiffe führten. Aus dem 
Schluss der Epoche (falls nicht aus der späteren des elften Jahrhunderts) 
scheint die Kapelle „Villa Viciosa" lierzuriihren, eine überaus reich ge- 
schmückte kuppelgewölbte Tribüne, welche dem hinteren Theile der M0- 
schee eingebaut ist. An ihren Bögen kommen Thierbilder, ruhende Löwen 
von sorgfältig strenger Arbeit, als architektonische Träger vor. 
Die Moschee von Cordova bekundet sich solehergestalt als das Werk 
eines leidenschaftlich excentrischen Strebens; die Absicht wundervoller 
Wirkung macht sich in ihr von vornherein geltend, und sie entfaltet sich 
in den späteren Ausführungen in stets gesteigerter Weise. Das Monu- 
ment erseheint wie ein erstes übermächtiges Hinausströmen jenes phan- 
tastischen Sinnes, der, unter den eigenthümlichen Bedingnissen des Islam, 
zur Entfaltung einer ausschlies-lieh ornamcntalen Kunst führen musste, 
der aber die feste Basis für deren Gestaltungen noch nicht gefunden hat 
und den baulichen Körper selbst noch zum Gegenstande seines kühnen 
Spieles macht. DieeAusdehnung des Grundplanes der Moschee von Cor- 
dova, das Hauptmotiv für das System ihres Aufbaues (das der Arkaden- 
gestaltung ihrer Hallen) blieb (laher auch, soviel bekannt, ohne namhafte 
Nachfolge. Dabei aber hat der in ihr ausgeprägte Formensinn eine ent- 
scheidende lokale Bedeutung. Die kühne und energische Bildung der
        

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