Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689371
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Die muhammedanische Kunst etc. 
Verhältniss der Frühzeit charakterisirend, aus korinthischen (wohl älteren). 
Säulen und leicht zugespitzten Bögen. Damit war reicher byzantinischer 
Mosaikschmuck verbunden, von dem noch Reste vorhanden sein sollen. 
 In Betreff der sonstigen Ausstattung der Moscheen ist anzumerken, 
dass sich in Mitten des Hofes (ähnlich wie im Vorhofe der christlichen 
Basiliken) ein, insgemein mit einem kleinen Kuppelbau überwölbter Brun- 
nen, zum Behuf der vorgeschriebenen YVaschungen, und seitwärts an 
ihrer Aussenmauer ein Thurm, der „Minaret", von welchem die Gebet- 
stunden ausgerufen werden, beündet. Die Minarets der Frühepoche, so- 
viel davon erhalten, sind von sehr einfacher Beschaffenheit. (Später wer-- 
den sie nicht bloss reicher geschmückt, sondern auch wohl ihrer zwei 
oder mehrere an einem Gebäude angelegt.)  
Die Moschee El Aksa zu Jerusalem und die grosse Moschee von 
Damaskus bildeten in der Frühepoche der muhammedanischen Architek- 
tur die vorzüglich gefeierten Meisterwerke. Andre Bauten entstanden im 
ausgesprochenen WVetteifer mit ihnen oder in mehr oder weniger freier 
Nachbildung, besonders der Anlage der Moschee von Damaskus. 
Zu diesen gehören die älteren Moscheen von Kairo, der Residenz 
von Aegypten. Zunächst die Moschee Amru bei Alt-Kairo, die schon im 
siebenten Jahrhundert gegründet, doch mehrfach, im achten und am 
Schlüsse des neunten Jahrhunderts, erweitert und erneut wurde. (Auch 
gegenwärtig soll sie in sehr durchgreifender Weise hergestellt sein.) Es 
ist ein weiter Hofbau mit sechsfacher Halle an der I-Iauptseite. Die Ar- 
kaden der Hallen bestehen aus antiken Säulen, über denen sich, von 
einem hohen Würfel getragen, an den ältesten Stellen Rundbögen, im 
Uebrigen gedrückte Spitzbögen, beiderseits mit hufeisenbogenartigem An- 
satz, wölben. Das architektonische System muss als ein noch sehr un- 
ausgebildetes bezeichnet werden. Aehnlich die Moschee E1 Azhar vom 
J. 981, doch mit seltsam gedrückten, fast geradlinig gebrochenen Bögen und 
schon mit mehr schmückender Ausstattung, auch mancherlei prächtig de- 
korativer Zuthat aus jüngerer Zeitß Aehnlich auch, in der Gesammt- 
anlage, die Moschee Tulun vom J. 885, diese aber insofern von eigen- 
thümlicher Bedeutung, als bei den Arkaden statt der Säulen breite de- 
korativ behandelte Pfeiler angeordnet sind, mit eingelassenen Ecksäul- 
chen und mit buntem Ornament an den Laibungen und- Einfassungen 
der breiten Bögen, welche letzteren wiederum die Form des breiten 
Spitzbogens mit leis hufeisenbogenartigem Ansatz haben. Das Ornament, 
hier bereits von charakteristischer Bedeutung für die künstlerische Er- 
scheinung des Gebäudes, hat byzantinisirend orientalische Formen? Die 
Minarets der Moschee Amru und der M. Tulun sind einfache, schmuck-- 
lose Thürme, der der letzteren durch die starken Absätze seiner Ge- 
schosse und die um das Obergeschoss sich emporwindende Aussentreppe 
bemerkenswerth.  Ausserdem gehört zu den gleichzeitigen Monumenten 
von Kairo der „Meqyas" oder Nilmesser auf der Insel Ruda, ein Brun- 
nenbau mit einer Säule in der Mitte, welche die Maasse für das steigende. 
Denkm. 
Kunst, 
Taf. 
F19 
397 
2 EbenCL, Fiä
        

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