Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689358
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Die muhammedanische Kunst etc. 
sonders die Elemente altchristlicher Kunst, in ihrer orientalischen, mehr 
oder weniger byzantinisirenden Behandlung, auch ohne Zweifel (worüber 
indess die genügenden monumentalen Zeugnisse noch fehlen) die der 
sassanidischen Kunst, welche hiezu verwandt wurden; der Schluss der 
Periode lässt uns eine in solcher Art schon eigenthümlich entfaltete 
Kunst, welche der byzantinischen als eine ihrem Werthe nach gleichbe- 
rechtigte und mit ihr allerdings noch verwandte zur Seite steht, er- 
kennen. 1   
Die frühste monumentale Sorge der Bekenner des Islam.war, wie 
es scheint, gewissen Heiligthümern zugewandt, welche als besonders ge- 
weihte Stätten göttlicher Offenbarung verehrt wurden. Es sind diejeni- 
gen, welche hienach ausschliesslich, und im Gegensatz gegen alle übri- 
gen, für gottesdienstliche Zwecke errichteten Gebäude, den heiligen 
Namen des Tempels, „El Haram", führen. 
 In dem Einschlusse der einen dieser Lokalitäten, zu Mekka, befin- 
det sich das uralte Heiligthum des arabischen Volkes, die Kaaba, das 
„heilige Haus", welches der Sage nach von Abraham an der Stelle eines 
Zelttempels errichtet sein sollte und welches von Muhammcd, nachdem 
er es vom Götzendienste gereinigt, dem neuenGlauben geweiht ward. 
Es ist ein kleines, unregelmässig kubisches Gebäude, mehrfach erneut, 
aber durchaus nach der ursprünglichen rohen Anlage, in jährlicher Wie- 
derholung (noch gegenwärtig) zur Erinnerung an den alten Zeltbau mit 
einem Teppiche bedeckt, von einem kleinen Rundhofe umgeben, welcher 
durch Erzsäulen abgegrenzt wird, und von einem weiten Aussenhofe um- 
schlossen, an dessen Mauern sich innerhalb der Arkadenhallcn (die gegen- 
wärtigen dem späteren Mittelalter angehörig) umherziehen. Es ist eine 
Anlage von uralt asiatischer Sitte, an die Stiftshütte der jüdischen No- 
madenzeit erinnernd, in der Hofeinrichtung mit dem baulichen System, 
welches sich bald für die Moscheen geltend machte, übereinstimmend. 
Das zweite mit dem Namen E1 Haram bezeichnete Heiligthum ist 
das zu Jerusalem befindliche, welches die Stelle von Sal0mo's Tempel 
und seinen Höfen einnimmt. Hier befinden sich, im Einschluss des Ge- 
sammtraumes, verschiedene Gebäude, deren ursprüngliche Anlage dem 
siebenten Jahrhundert (der Zeit gleich nach Eroberung der Stadt durch 
Omar, im J. 637, oder dem Schlüsse des Jahrhunderts) angehört. Ihre 
bauliche Einrichtung scheint die unmittelbare Nachahmung von christ- 
liehen Gebäuden, welche man an heiligen Stätten Jerusalems vorfand, 
anzuzeigen. Das eine, inmitten jenes Raumes, ist die sogen. Moschee 
Omar's; es schliesst den, durch muhammedanische Legenden gefeierten 
Fels „El Sahhara" in sich ein und führt denselben Namen; es umgiebt 
den Fels in centraler Anordnung mit einem Rund von Säulen und Pfei- 
lern (über dem sich eine Kuppel erhebt) und mit doppeltem ackteckigem 
1 Vielleicht wird es sich in Zukunft als zweckgemäss ergeben, die hier an- 
genommene Periode in zwei historische Abschnitte zu sondern, deren erster (gleich 
der ersten Periode der altchristlichen Architektur) die noch naive Verwendung 
des vorgefundenen Materials, der zweite die selbständigem Verarbeitung desselben 
enthielte. Unsre mangelhafte Kenntniss der Monumente lässt uns einstweilen aber 
die bezüglichen Unterschiede noch nicht sicher genug feststellen.
        

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