Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689303
DIE 
MUHAMBIEDANISCHE 
KUNST 
und die 
verwandten 
Gruppen 
orientalisch 
christlicher 
Kunst. 
Bedingniss 
und 
Charakter. 
Es war im Anfange des siebenten Jahrhunderts. Das arabische Volk 
war in einen dumpfen Götzendienst versunken; die andern Religionsfor- 
men in Nähe und Ferne,  der zauberische Feuercultus der Perser, das 
Gesetzeswirrniss der Juden, die tiefsinnige Mystik des Christenthums und 
seine nur zu bald eingetretene Zerrissenheit in feindliche Sekten, schie- 
nen die Mittel zur Abhülfe aus solchem Zustande nicht darzubieten. Da 
trat Muhammed als Prophet des einen, wahren, allmächtigen, keiner 
Offenbarung in menschlichem Sinne bedürftigen und keine solche dulden- 
den Gottes auf. Die Wiederherstellung der reinen Lehre Abrahams, den 
das Volk der Araber als Stammherrn verehrte, war sein Ziel; seine Auf- 
fassung war die des Sohnes der Wüste; das Donnerrollen seiner Predigt 
hallt in den Büchern des Koran noch heute nach. Seine Worte, nach- 
dem er den ersten Widerstand in der Heimat besiegt, fanden die gläu- 
bigste Hingabe; seine Lehre war völlig geeignet, die Geister der Natio- 
nen des Oricnts wach zu rufen. Hundert Jahre nach ihm herrschte sie 
von den Ufern des atlantischen Meeres bis zu denen des Ganges. 
Neue volksthümliche Gestaltungen, neue Bekundung solcher durch 
monumentale Werke waren im Gefolge. Freilich konnten die letzteren 
nur erst allmählig eine eigenthümliche Ausprägung gewinnen. Die Ara- 
ber, welche die Lehre Muhammeäs über die Welt trugen, waren ein 
Volk ohne künstlerische Cultur; die Nationen, mit denen sie sich zu dem 
grossen Khalifenreiche vereinten, waren verschiedengeartet, zum Theil im 
Besitz älterer, schon ausgebildeter Oultur- und Kunstformen; die Unter- 
schiede durften bei dem nicht festen Bestande jenes Gesammtreiches, bel 
der zum Theil schon früh eintretenden Abtrennung einzelner Stücke des- 
selben doppelt ins Gewicht fallen. Namentlich waren es die Formen 
Spiitrömischer Kunst und ihrer Umbildung in den verschiedenen WGISGII 
christlicher Auffassung, welche vielfach vorlagen und naturgemäß: als 
üblicher Ausdruck des künstlerischen Vermögens und Bßdüffnlsses der 
Zeit, zu ähnlichen Bildungen führten. Es waren die Elemente: Welche 
der Islam nicht umhin konnte, sich anzueignen, für seine eignen künst-
        

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