Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1686414
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Vorrstufen künstlerischer 
Gestaltung. 
Unter den baulichen Unternehmungen der alten Peruaner ist zunächst 
ein Blick auf die, für Zwecke des öffentlichen Nutzens aufgeführten WVerke 
zu werfen. Hochberühmt War unter diesen die grosse Incas-Strasse, 
Welche auf eine Ausdehnung von 250 geographischen Heilen das Reich 
durchzog, auf mächtigen Dämmen über die Abgründe schreitend und im 
Grebirg durch die Felsen gehauen, in bestimmten Entfernungen mit der 
Anlage von Karavanserais, Festungen und Tempeln versehen. Von dieser 
Strasse sind noch ansehnliche Theile übrig. Nicht minder merkwürdig 
sind die grossen Mauerumfassungen der alten Städte, an denen sich 
ebenfalls viele Reste, bedeutende namentlich zu Cuzco, der ehemaligen 
Residenz der Incas, erhalten haben. Diese Mauern sind fast durchgehend 
aus grossen polygonen Blöcken zusammengesetzt, der Art, dass bei aller 
Mannigfaltigkeit die Fugen stets genau zusammenpassen. Es ist vollständig 
die Bauweise, welche wir in Europa im pelasgischen Alterthum vorherr- 
schend finden, und welche von den Griechen die kyklopische genannt ward. 
Von dem Künstlerischen der architektonischen Anlage sind bis jetzt 
nicht zahlreiche Beispiele bekannt. Charakteristisch erscheint an dem 
Bekannten, wie oben angedeutet, eine gewisse einfache Strenge der Be- 
handlung, welche in manchen Elementen wiederum zugleich an die Keusch- 
heit primitiv griechischer Formenbildung gemahnt. Von dem gefeierten 
Sonnentempel zu Cuzco, der sich durch unermesslichen Goldschmuck 
auszeichnete, ist nur der, in jener kyklopisehen Bauweise ausgeführte 
Unterbau erhalten: bemerkenswerth ist an demselben ein starker, halb- 
rund vorspringender und nach oben sich verjüngender Ausbau. Auf die- 
sen Fundamenten erhebt sich gegenwärtig das Kloster S. Domingo.  
Die Mauern des sogenannten Palastes des Manco-Oapac, des mythi- 
schen Stifters des Incas-Reiches, zu Cuzco sind mit hohen Thüröffnungen, 
deren Seitenpfosten eine schräge Neigung haben, versehen. Auch ander- 
wärts erscheint eben diese Thürform bei Palastresten; ohne Zweifel ist 
es das Motiv übereinander vorkragender Steine, welches dieser Form die 
Entstehung gegeben hat.  Die Trümmer des Palastes von Huanuco 
el viejo, unfern von Aguamiro, aus Höfen und mehrfach hintereinander 
laufenden Corridoren bestehend, enthalten in gleicher Axe eine Reihe 
von breiten Thüren dieser Art. Eben dort ist der hochtcrrassirte Unterbau 
einer ehemaligen Oitadelle mit pyramidal geneigten Seitenüächen. 
Sehr eigenthümlich und bedeutend sind die Denkmäler von Tiagua- 
naco, bei la Paz, unfern des Sees von Titieaca. Hier finden sich aus-- 
gedehnte Stellungen viereckiger Pfeiler (dem Princip nach an die Stein- 
gassen des keltischen Nordens erinnernd), Lllild zwischen diesen einige 
monolithe Portale. Das grössere Portal ist 10 Fuss hoch und 13 F. breit. 
Es ist einfach viereckig, mit einer rechtwinklig gebildeten Thür durch- 
brochen und an der Vorderseite mit Fensternischen in zwei Geschossen 
versehen; einfache Gesimsbänder theilen die Faqade und vertiefte Streifen 
umfassen die Thür und die Nischen, in einer Weise der Anordnung, die 
in der That, bei aller Simplicität, etwas von griechischem Geschmack hat. 
Das Gefühl für gesetzliche Anordnung spricht sich in diesem Architektur- 
stück auf so klare Weise aus, wie selten in den Beispielen der frühesten 
Entwickelungsstufen. An der Rückseite ist oberwärts ein breiter Fries mit
        

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