Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689204
Sohlusspeüode der indischen Kunst. 
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Architektur. 
Der Süden des Dekan besitzt eine Anzahl von, zum Theil überaus 
prächtigen und umfassenden Pagodenbauten, 1 welche Wesentligh dieser 
letzten Periode anzugehören scheinen,  die zu Chalembrom (Chalem- 
baram), Kandjeveram, Tandjore, Madura u. s. w. Sie zeichnen sich eben- 
so durch ihre pyramidalischen Tempel- und Thorbauten aus, in deren 
gehäuften, bunt ausgestatteten Geschossen die abenteuerlichste Phantasie 
sich förmlich erschöpft, wie durch ihre, zuweilen fast unermesslichen 
Säulenhallen, deren Formen, wie es scheint, nicht minder barock gebildet 
sind. Der mächtige Saal eines Tschultri (Hospizes) zu Madura, dessen 
Steindecke von sculptirten Riesenpfeilern getragen wird, giebt von der 
Ueberladung und dem Wirrniss künstlerischer Formen, welche schon der 
Wucherfülle eines tropischen Urwaldes gleichen, ein vorzüglich charakte- 
ristisches Beispiel. Der Bau desselben wurde im J. 1623 begonnen. 
Daneben bildet sich eßi architektonisches Schulgesetz aus, welches 
die Ueberfülle wieder in die trockne Strenge der Regel zurückzuführen 
sucht. Dasselbe liegt in geheiligten Schriften, den "Silpa Sastra," der. 
„Kunst- oder Handwerkslehre," vor. Durch einen Eingebornen des süd- 
lichen Landes, Ram Raz, ist hienach und nach den Monumenten in 
neuerer Zeit ein System der hinduisehen Baukunst aufgestellt worden. 2 
Zu bemerken ist bei dem letzteren u. A. eine Weise des Säulenbaues, 
die in den Hauptmotiven wiederum auf die Elemente der Holzbautechnik 
zurückführt, und in den Detailbildungen ein abermaliges (erneutes oder 
ursprüngliches) Hineinklingen antikisirenden Gefühles. 
Bildende 
Kunst. 
Die Seulpturen aus den späteren Zeiten der indischen Kunst 
tragen zum grössten Theil das Gepräge lebloser Nachahmung. Mit ihrer 
inneren Starrheit steht die hergebrachte Weichheit in Formen und Be- 
wegungen und die unverhüllte Monstrosität phantastischer Gestalten in 
einem widerwärtigen Contrast. Die Unbefangenheit der volksthümlichen 
Anschauimg erscheint in ihnen zur trocken schulmässigen Symbolik um- 
gewandelt 
Dagegen gewähren die Malereien dieser Spätepoche oft noch ein 
eigenthiimliches Interesse. Beispiele der Art finden sich nicht selten in 
den europäischen Kunstsammlungen und Bibliotheken; ein Buch mit 
56 Bildern in der k. Bibliothek zu Berlin, welches schon im siebzehnten 
Jahrhundert für dieselbe erworben wurde, ist besonders schätzbar. Es 
sind Arbeiten von kleinerer Dimension, zumeist auf Piianzenpapier aus- 
geführt. Vieles unter ihnen, namentlich wo Gegenstände der alten Mythe 
i 
1 Denkm. d. K., Taf. 10.  2 Räm Rxiz, Essay 
Hindws.  Denkm. d. K, Taf. 10, Fig. 8 u. 9. 
Kugler, Handbuch der Kunstgeschichte. I. 
the architekture of the 
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OU
        

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