Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689162
Auch der Buddhismus entzieht sich diesem Drange nicht; seine 
jüngeren Monumente sind mehrfach mit plastisch bildnerischer Ausstattung 
versehen. Doch herrscht hier stets noch, in grösserem oder geringerem 
Maasse, jene geistige Strenge vor, auf welche der Charakter seiner Doc- 
trin, seiner Lebenswirkung gegründet ist. Bei diesen seinen Bildwerken 
kommt es mehr auf den symbolischen Zweck, auf die Bedeutung, als auf 
naiven Lcbensgehalt an. Es ist etwas Typisches, Conventionelles in ihnen. 
So namentlich in dem Bilde des Stifters der Lehre, Buddhas, welches 
sich als Vorbild des geistig erhöhten Seins in dieser Spätzeit häufig wie- 
derholt, besonders an der Vorderseite der Dagopheiligthümer: sitzend 
(in den jüngsten Bildern mit untergeschlagenen Beinen), in tiefstes apathi- 
sches Sinnen versunken, dienende Gestalten um ihn her. In einzelnen 
Fällen mischt sich buddhistische mit brahmanisch mythischer Darstellungs- 
weise, gelangt dabei indess nicht zu besonders glücklichen Erfolgen. 
(Solcher Mischung scheinen namentlich die der Jaina-Sekte angehörigen 
Darstellungen zu entsprechen.) 
Aufs Reichlichste sind die Architekturen des Brahmaismus mit 
Sculpturen versehen, in der Regel mit Hautrelief-Darstellungen, 
welche die Wandnischen der Grottentempel ausfüllen, die geeigneten 
Räume der Freibauten, namentlich jener pyramidalischen Monumente, be- 
decken. Auch selbständige Felssculpturen, ohne Bezug auf unmittelbare 
architektonische Umgebung kommen vor. Diese Bildwerke gehören aus- 
schliesslich der Welt der Mythe, dem Götterleben, der heroischen Sage, 
den Anschauungen, welche sich hievon bereits dichterisch, besonders in 
den epischen Gedichten, festgestellt hatten, an; von einer Vergegenwär- 
tigung real historischer Ereignisse scheint gänzlich abgesehen. Es ist 
das freie Reich der Phantasie, das nur in sich bedingte Gesetz eines 
solchen, was in diesen Bildwerken zur vollen körperhaften Ausprägung 
gelangt; es entfaltet sich zu einer Idealbildung, der volksthümlichen 
Richtung gemäss, welche von den Schauern der Gedankeneinsamkeit zu 
den Wonnen der Natur, zu ihren Widerspiegelungen im eignen Gemüthe 
heimgekehrt war. 
Die menschlichen Gestalten sind zumeist nackt gebildet, nur selten 
und nur zum geringen Theil mit eigentlicher Gewandung versehen, gern 
aber mit schmückender Zuthat ausgestattet, auf dem Haupte, am Halse, 
an den Gelenken der Hände und Füsse. Es ist das Wohlgefühl der 
reinen Naturbildnng, was sich hierin zunächst ausspricht, die unverholene 
Lust an derselben. Die Gestalten zeichnen sich in edlen Verhältnissen, 
nicht ohne Sinn für den Zusammenhang der Formen. Diese haben zu.- 
meist einen weichen Reiz, in der Bildung an sich wie in den Linien der 
Bewegung ein still befriedigtes Dasein ausdrückend. Der Grundzug 
der männlichen Figuren ist hiedurch vorherrschend der einer eignen ju- 
gendlichen Milde, welche sich nicht selten bis zu einem fast schüchternen 
Ausdrucke steigert. Die weiblichen Gestalten entfalten sich, aus solcher" 
Weise der künstlerischen Auffassung, manches Mal zu einer fast wunder- 
samen Anmuth; voll in Brust und Hüften, elastisch in den Gelenken, 
weich geschmolzen in den.Linien der Bewegung, erscheinen sie als Bilder 
des süssesten Versunkenseins der natürlichen Existenz, zumal in Dar-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.