Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689125
Dritte 
Periode der indischen Kunst. 
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stischen Mönchs-Oellen weg, ordnete, statt der letzteren, Wandnischen 
für bildnerischen Schmuck an und fügte nur im Grunde der Anlage eine, 
insgemein etwas grösserc Cella, als Sanctuarium mit dem Bilde oder dem 
Symbol der Gottheit, hinzu.  In der Behandlung der architektonischen 
Einzelformen knüpfte sie nicht minder an die gegebenen Elemente an, 
gelangte aber bald dazu, dieselben in abweichender, höchst eigenthüm- 
licher Weise durchzubilden. Jene mehr oder weniger freie Nachbildung 
von Holzbauformen, welche der Buddhismus bisher in seinen Grottenbauten 
beobachtet hatte, beruhte doch nur, wie günstige Erfolge auch im Ein- 
zelnen hervorgetreten waren, auf einem dekorativen Streben; ein künst- 
lerischer Ausdruck der natürlichen Bedingnisse eines Grottenbaues war 
darin nicht hervorgetreten. Jetzt wurde dieser Ausdruck gewonnen, 
wurde  das eigenthümlichste, charaktervollste und künstlerisch bedeut- 
samste Erzeugniss der indischen Architektur  eine Pfeilerform erschaf- 
fen, welche es aussprach, dass sie die Bestimmung hatte, eine Decke von 
der Last eines Gebirges zu tragen. Es ist eine Pfeilersäule: ein starker 
hochkubischer Untersatz, ein sehr kurzer bauchig schwellendcr Schaft 
und ein Kapitäl von der Form eines mächtig hinausquellenden Pfiihles; 
darüber insgemein starke, breite Oonsolen, zur Unterstützung der Ar- 
chitravstreifen der Decke. Composition, Form, Einzelgliederung der 
Pfeilersäule lassen sich auf schon vorhandene Einzelmotive, auf das schon 
früh eintretende schwellende und quellende Formenprincip der indischen 
Kunst zurückführen: das Ganze in solcher Erscheinung und Behandlung 
ist dennoch ein wesentlich Neues, ist etwa die meisterliche Sammlung 
und Vereinigung des bis dahin Zufälligen und Zerstreuten.  Zu be- 
merken ist dabei allerdings, dass auch diese Pfeilersäule, bei dem Mangel 
eines fest-künstlerischen Bewusstseins im gesammten Inderthnm, kein ord-  
nungsniässiges System zur Folge hatte, dass sie in wirklich befriedigender 
Ausbildung nur an einigen wenigen Monumenten gefunden wird und dass 
es an mancherlei willkürlichen Spielarten der Form nicht fehlt. Eine 
eigenthümliche Abart strebt wiederum nach dem Eindrücke einer gewissen 
Zierlichkeit, indem sie den kurzen Säulenschaft straffer und dabei mit 
vielfacher Zierde versehen bildet und "den schweren Pfühl des Kapitäles 
durch ein Oberglied mit volutenartig niederhängenden Ecken in fast 
spielender Weise halb verhüllt. 
Gleichzeitig bildete die brahmanische Architektur den Freibau in 
sehr reicher und eigenthümlicher, aber von vornherein in einer barock 
phantastischen WVeise aus. Es kommen hiebei zunächst und vorzugsweise 
die eigentlichen Tempel, welche das Götterbild einschliessen, und die in 
den heiligen Tempelbezirk führenden Thore in Betracht. Beide werden 
gern in pyramidalisch aufgegipfelter Form gebildet; die Tempel führen 
dabei den Namen der Vimanas, die Thore den der Göpura's; (die 
Europäer piiegen die indischen Tempel im Allgemeinen mit dem Namen 
der Pagoden zu bezeichnen.) Die Motive zu solcher Gestaltung liegen, 
wie es scheint, in den früheren Erzeugnissen des Freibaues vor. Wenn 
einerseits die thurmartig erhobenen T0pe's den Sinn für derartige Er- 
scheinungen geweckt und genährt haben mochten, so war es andrerseits 
ohne Zweifel der in luftigen Geschossen übereinander gereihte Holzbau,
        

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