Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689036
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Die Kunst der Hindus und ihrex Ausläufer. 
darzulegen, zeigt sich in der in Rede stehenden Frühperiode sogar die- 
Sitte, die Rundsparren oder Rippen des Gewölbes in der That noch aus 
Holz zu bilden und sie der runden Felsdecke nur anzuheften, während 
sie erst später mit aus dem Fels herausgemeisselt werden. Ebenso wird 
in dieser Frühperiode auch das vorragende Schirmdaeh des in der Chai- 
tya-Grotte befindlichen Dagop, der natürlichen Anforderung entsprechend, 
noch aus Holz gebildet und erst in der folgenden Zeit durch Steinarbeit 
ersetzt.  
Die Formation des Einzelnen erscheint zum Theil als ein Ergebniss 
der naiven Handhabung, welche der Holztechnik eigen ist, und der, zu- 
nächst in letzterer leicht zu befriedigenden dekorativen Neigung. Zum 
Theil aber, und in Fällen, wo das ästhetische Bedingniss von wesent- 
lichem Gewichte ist, zeigt sie jene schon erwähnte Aufnahme von For- 
men einer älteren, künstlerisch durchgebildeten Architektur. Es sind 
hellenische .und persische Formen, welche für diese Zwecke verwandt 
und nach Erforderniss umgebildet werden. 
Die Reihenfolge der indischen Monumente beginnt mit den Sie ges- 
säulen des Buddhismus, von denen eine Anzahl an verschiedenen Orten 
des Gangeslandes, zu Delhi, Allahabad, Bhitari (unfern von Bena- 
res), Bakhra und Bettiah (beide unfern von Patna), erhalten ist. Sie 
sind zum grössten Theil durch Asoka selbst errichtet worden und in- 
schriftlich bekundet. Ihr eigenthümlicher Name ist der der „Löwensäu- 
len", indem sie das Bild eines ruhenden Löwen tragen, welches auf den 
Namen Buddhaüs, als des „Löwen vom Stamme Sakja", anspielt. Sie 
sind sehr schlank und hoch (über 40 Fuss) und haben  das Nichtvor- 
handensein eines heimischen Formengesetzes bezeugend  ein bestimmt 
fremdländisches Gepräge. Das Kapital, wo ein solches vorhanden, ist 
eine Nachbildung des umgestürzten Kelchkapitäles der persischen Archi- 
tektur. Eine Säule, zu Allahabad, hat statt des Kapitals einen seulptir- 
ten Hals, welcher dem der reicheren griechisch-ionischen Säule mit völ- 
liger Entschiedenheit nachgebildet ist. 
Es schliesst sich ein Cyklus von Tope-Bauten an, Welche sich im 
cenüalindischen Hochlande von Malwa, in der Umgegend der Stadt 
Bhilsa, in mehr oder weniger erhaltenem Zustande befinden. Die be- 
merkenswerthesten derselben sind die bei dem Orte Sanchi belegenen 
Tope's, namentlich der grössere von diesen, der ungefähr 120 Fuss 
Durchmesser und 56'141 Höhe hat und den man nicht ohne Grund eben- 
falls noch der Epoche des Asoka zuschreibt. Sein Fuss ist von einem 
hohen runden Steingitter umgeben, Welches die einfach massige Nach- 
ahmung eines Holzzaunes enthält und sich durch vier Thore nach aussen 
öffnet, deren Gerüst, je drei geschweifte Architrave übereinander, von 
hohen Pfeilern getragen, nicht minder deutlich die Nachbildung der 
Holzconstruction bezeugt. Vor zweien dieser Thore stehen isolirte Säu- 
len, deren eine wiederum jenes aus der persischen Kunst herrührende
        

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