Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689028
Erste Periode 
der indischen Kunst. 
271 
Tope (jenes Wort im Sanskrit, dies im heutigen Dialect, Beides soviel 
als Tumulus), Dagop (soviel als "Körperbewahrer", d. i. Reliquienbe- 
hälter), auch Ohaitya (nach der Bezeichnung des Schirmdaches.)  
Heilige Einschlüsse, Nebenbaulichkeiten verbinden sich mit der Anlage 
des Tope. An Stätten, die als besonders verehrte aufzufassen sind, fin- 
den sich Topels zuweilen in erheblicher Anzahl. 
Die ascetische Richtung der buddhistischen Religion führte zur Aus- 
bildung klösterlicher Genossenschaften, die letzteren zu entsprechenden 
baulichen Einrichtungen. Die buddhistischen Klöster, welche mit dem 
Namen der Viharals bezeichnet werden, sind Hallenbauten mit anleh- 
nenden Einzelcellen. Grössere Klöster der Art scheinen ihr besonderes 
Tempelheiligthum zur gottesdienstlichen Versammlung gehabt zu haben: 
einen mehr oder weniger geräumigen Saalbau und im Grunde desselben 
ein nach seinen Verhältnissen bemessenes Dagopheiligthum. Von Frei- 
bauten der Art ist, vielleicht mit Ausnahme weniger Einzelrcste, welche 
solchen Anlagen angehört haben mögen, nichts erhalten; wohl aber von 
entsprechenden, im Felsgrottenbau ausgeführten Anlagen. Es scheint, 
dass einsiedlerische Niederlassungen in natürlichen Felshöhlen hiezu die 
Veranlassung gaben; die volksthümliche Neigung scheint sich, wenigstens 
auf gewissen Punkten des Landes, bald sehr entschieden für das geheim- 
nissvoll Schattige des Baues, der sich der Felsmasse einarbeitete, ent- 
schieden zu haben. Die Grotten, welche das Gepräge der Versamm- 
lungstempel trragen, pflegt man mit dem Namen der Chaitya-Grotten 
zu bezeichnen. 
Das Wesentliche der architektonischen Form, soweit es sich irgend 
um die Herstellung eines aus einzelnen Theilen zusammengesetzten Gan- 
zen, um die Andeutung einerbaulichen Structur, handelt, erscheint als 
eine naive Nachahmung der Form, der Behandlung, der Ausstattung, 
welche sich bei einem vorangegangenen Holzbau und dessen Structur 
ergeben hatte. Es ist zum Theil die völlig trockne Oopie eines solchen, 
nachgebildet im" Steinmaterial, der Felsmasse mit dem Meissel aufgeprägt. 
Dabei aber ist bemerkenswerth, dass augenscheinlich schon in diesen 
vorbildlichen Constructionen sich ein eigenthümlicher Formensinn ausge- 
sprechen hatte; es zeigt sich, an einzelnen vorzüglichst bezeichnenden 
Stellen wenigstens, dasselbe schwellende, zur Bogenlinie führende For- 
menprincip, welches für die Gestaltung des Tope die entscheidende Be- 
deutung hat, nur gelegentlich zur leichteren spielenden Dekoration umge- 
wandelt, wie sich diese bei dem leicht handlichen Material des Holzes 
natürlich ergeben musste. Besonders charakteristisch giebt sich diese 
Behandlung bei der Einrichtung der Chaitya-Grotten kund. Die letzteren 
bestehen, der Form der altchristlichen Basiliken einigermaassen ähnlich, 
aus einem breiten Mittelschiff und schmalen Seitenschiffen, beide an der 
Hinterseite im Halbkreise geführt, den dort stehenden Dagop hinterwärts 
umschliessend. Pfeiler trennen die Schiffe und stützen die Decken. 
Diese sind, namentlich über dem Mittelschiff, in der Weise eines hoch- 
aufsteigenden, hufeisenförmig sich ausweitenden hölzernen Tonnengewöl- 
bes bedeckt, mit entschieden charakteristischen, stark vertretenden Rund- 
sperren. Den Ursprung dieser merkwürdigen Bildung auf's Bestimmteste
        

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