Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1689013
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Die Kunst der 
Hindus und ihre 
Ausläufer. 
stimmtheit das Ideal, mit. charakteristisch weichen, sehwelleuden, üppigen 
Formen, dem in späterer Zeit die indische Kunst gern folgte. Im Epos 
Enden sich sehr bezeichnende und ausführliche Stellen der Art. 1 
Erste 
Peiiode 
der 
indischen 
Kunst 
Die erste Periode der indischen Kunst, in charakteristisch sich ge- 
-staltender Monumentalform, beginnt um die Mitte des dritten Jahrhun- 
derts v. Ohr., der Epoche, in welcher der damalige König der hindostani- 
sehen Lande, Asoka, sich und seine Herrschaft zur buddhistischen Religion 
bekannte. Der künstlerische Typus der Periode ist der einer primitiven 
Einfalt und Strenge, verbunden mit Elementen, welche aus den ausge- 
prägten künstlerischen Richtungen der westlichen Lande herüber genom- 
men waren, und nicht ohne ein gewisses phantastisches Element, welches 
als das dem Volke eigenthümliche bezeichnet werden muss. Die Dauer 
der Periode ist auf mehrere Jahrhunderte anzusetzen, in die ersten Jahr- 
hunderte der christlichen Zeitrechnung hinabreichend. 
Architektur. 
Die Werke der Architektur sind theils Säulen, welche als Sieges- 
denkmäler des zur Herrschaft gelangten Glaubens errichtet wurden, theils 
und vornehmlich religiöse Heiligthümer und anderweitige, für die Zwecke 
des religiösen Lebens ausgeführte Bauanlagen. 
Das eigentliche religiöse Heiligthum hat eine bestimmt ausgeprägte 
schlichte Gestalt, welche aus der urthümliehen Tumulusform hervorge- 
gangen ist. Es ist, einem Grabhügel entsprechend, über einer Reliquie 
des Stifters der religiösen Sekte, Buddhaüs selbst, oder eines seiner heili- 
gen Nachfolger in voller compaeter Masse errichtet. Die Form ist streng 
gemessen, halbkugelartig, über einer eylindrisehen Basis, die Dimension 
oft sehr ansehnlich. Die schwellende Bogenlinie, welche das Profil des 
Denkmales bildet, erscheint für die Richtung des Formensinnes bei den 
Hindu's von vornherein bezeichnend. Die mystische Doetrin des Bud- 
dhismus hat der halbkugelförmigen Erhebung des Monumentes einen be- 
sondren symbolischen Inhalt untergelegt: nach ihr ist es ein Bild der 
Wasserblase, welche nach Buddhafs Wort die Vergänglichkeit des irdi- 
schen Lebens bezeichnet. Auf seinem Gipfel hat das Monument eine 
krönende Spitze; diese erscheint in freier dekorativer Behandlung, kegel- 
förmig oder obeliskenartig, oder in einer Form von ausschliesslich sym- 
bolischer, ebenfalls durch die buddhistische Doetrin gegebener Bedeutung, 
.als heiliges Schirmdaeh. Der Name des Monumentes ist Stupa oder 
1 Vergl. u. A. die Schilderung des Apsaras Uiwasi im Maha-Bharata, bei 
F. Bopp, Ardschanais Reise zu _Indra's Himmel etc., S. 10, 96. (Die sichre Zeich- 
nung, welche das indische Gedicht enthält, bildetden auffälligsten Oontrast gegen 
die formlose Bildersprache, deren sich im ähnlichen Fall z. B. die althebräische 
Poesie, im hohen Liede, bedient.)
        

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