Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688996
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und ihre Ausläufer. 
der Hindus 
Die Kunst 
des Dekan, die der Insel Ceylon und die, welche dem nordwestlichen 
Ueberströmen der indischen Cultur, Afghanistan hindurch, angehören. 
Es sind die Zeugnisse ihreriUebertragung nach den Landen des ferneren 
Ostens, nach den südöstlich belegenen Inseln. 
Dem Inderthum und seinen Monumenten fehlt es, zum grössten 
Theil, an einer urkundlich festgestellten geschichtlichen Unterlage. Die 
Ansichten der Forscher über das Alter der Denkmäler, über den Ent- 
vwrickelungsgang des an ihnen hervortretenden künstlerischen Styles wichen 
bisher vielfach voneinander ab. Erst die jüngste Zeit hat angefangen, 
von einem unklaren Staunen vor diesen WVerken, von willkürlichen Hypo- 
thesen über ihren Ursprung zur kritischen Forschung überzugehen. Hie- 
nach scheinen gegenwärtig wenigstens die Grundzüge der indischen 
Kunstgeschichte festzustehen,  ist der Beginn des dortigen monumen- 
talen Schalfens keiner unvordenklichen Frühzeit, vielmehr erst einer 
Epoche, welche den Berührungen der indischen Welt mit der Oultur des 
Westens (unter Alexander d. Gr.) folgte, zuzuschreiben. Die indische 
Kunst schliesst sich der des Westens wiederum als eine jüngere an, ge- 
staltet sich im Einzelnen selbst unter Einflüssen, welche von dort ausge- 
gangen waren. Ihr eigenthümliches Wesen aber und dessen Entfaltung 
und verschiedenartige Umbildung erscheint von den beiden grossen Fac- 
toren des indischen Geisteslebens und der Geschichte des Kampfes der- 
selben abhängig,  von dem Brahmaismus, der volksthümlichen Religion 
mit ihrem vielgliedrigen Göttersystem, ihren Mythen und Heldengeschich- 
ten, und dem Buddhismus, der ascetiscl1enDoetrin, welche das mensch- 
liche Gemüth in strenger Sammlung auf sich zurückzuführen bestrebt 
war,  von dem, auch das Ueberschwänglichste nicht scheuenden phan- 
tastischen Sinne des ersteren und dem nüchternen Ernste des zweiten. 
Der Brahmaismus ist das ältere, den allgemeinen Volkscharakter bezeich- 
nende dieser beiden Elemente, der Buddhismuseine demselben entgegen- 
tretende Reform; sein Auftreten oder vielmehr das seines Stifters, des 
Buddha, gehört dem sechsten Jahrhundert v. Chr. an, der Beginn seiner 
Herrscherstellung, wenigstens in den nördlicheren Landen Ostindiens, der 
Mitte des dritten Jahrhunderts v. Ohr. Seine Herrschaft dauerte bis zum 
fünften Jahrhundert nach Cluz, von welcher Zeit ab der Brahmaismus 
wiederum die Oberhand gewann, der den Buddhismus sodann, nach dem 
Verlauf einer Reihe von-Jahrhunderten und zum Theil unter blutigen 
Verfolgungen, aus den ostindischen Landen gänzlich verdrängte. Mit den 
Siegen des Buddhismus im dritten Jahrhundert v. Chr. beginnt, soviel 
wir gegenwärtig irgend zu urtheilen im Stande sind, erst jene Stätigkeit 
des Sinnes, welche zu einem monumentalen Schaffen führte; mit der er- 
neuten Macht des Brahmaismus gesellt sich der bis dahin befolgten, mehr 
"oder weniger strengen Richtung naturgemäss eine grössere Phantasiefülle 
hinzu. Die eigensten und künstlerisch bedcutungsvollsten Schöpfungen 
igchijren der Epoche des" Wettkampfes beider Mächte an. Nach Besie- 
gung des Buddhismus nimmt dann das Phantastische in stets gesteiger- 
tem Maasse überhand, der Art, dass die indische Kunst sich zuletzt in 
ein abenteuerliches, oft völlig chaotisches Wesen verliert. 
Die Geschichte der indischen Kunst gliedert sich, dem Vorstehenden
        

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