Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688969
Indo-Skythen. 
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Schlachtscenen, ebendaselbst, ist man gleichfalls auf Bahram V. zu be- 
ziehen geneigt; sie stellen die Kämpfe zwischen gepanzerten Reitern dar 
und sind durch eine gewisse naive Frische und Keckheit von sehr eigen- 
thümlicher Bedeutung. Die sassanidische Kunst tritt hier, wenn vielleicht 
auch nur vorübergehend, aus den überkommenen Traditionen heraus und 
nimmt eine Richtung, welche füglich nur mit der späteren des germani- 
schen Occidents verglichen werden kann. 
Endlich zeigen die auf Khosru Parviz (591-628) bezüglichen Re- 
liefs der grösserenFelsnische von Tak-i-Bostan wiederum sehr cigenthüm- 
liche Umschmelzungen des künstlerischen Geschmackes. Wie in dem 
architektonisch Dekorativen dieser Nische, so lässt sich auch in dem Fi- 
gürlichen eine Einwirkung loyzantinischer Richtung erkennen. Zu den 
Seiten der Einfassung des äusscrcn Bogens sind schwebende victorienähn- 
liche Gestalten von noch entschieden antikisircnder Fassung. Bei den 
grossen Bildnissfiguren im Inneren der Nische mischt sich auf das Selt- 
samste (vielleicht je nach der persönlichen Erscheinung der Dargestellten) 
Byzantinisches in selbst noch klassischer Reminiscenz und barock Barba- 
risches mit dem sassanidischen Typus. Zwei grosse und sehr iigureureiche 
Jagddarstellungen, an den Seitenwänden der Nische, kehren zu einer naiv 
Schildernden Weise des Vortrages zurück, hierin etwa in der Mitte stehend 
zwischen alt-assywischen und späten indisch-persischen Darstellungen. 
Indo 
Skythen. 
An der östlichen Grenze des Sassanidenreiches, die Induslande hinab, 
erstreckte sich die indo-skythische Herrschaft. Sie hatte sich bereits im 
J. 90 v. Chr. aus dem Sturze des griechisch-baktrisehen Reiches erhoben, 
welches letztere als eine selbständige Macht, griechische Cultur im Herzen 
Asiens pilegend, aus dem Zerfall der Reiche Alexanders d. Gr. hervor- 
gegangen war. Einige wenige künstlerische Reste bezeugen es, den Be- 
Ziehungen der historischen Grundlage entsprechend, dass auch in den 
Induslanden das antike Element für die künstlerische Form, ähnlich und 
selbst entschiedener als bei den Sassaniden, in den ersten Jahrhunderten 
unsrer Zeitrechnung noch von bedingendeln Einüusse War. 
Eine zu Budakschan gefundene silberne Schale ' hat die getrie- 
bene Darstellung eines Triumphzuges des Bacchus in einem barbarisirt 
griechischen Style, im Einzelnen an byzantinisches Wesen erinnernd. 
Diese Arbeit kann indess von ausserhalb eingeführt sein. Wichtiger ist 
eine Anzahl von bildnerischen und baulichen Stücken, welche im Districte 
von Peschaw er gefunden sind. 2 Einige derselben gemahnen, bei roher 
Arbeit, in der That noch an den gräcisirenden Geschmack der späten Werke 
Kleinasiens. Andres hat das ausgesprochen römische Gepräge; noch Andres 
1 Journal of the asiatic soeiety of Bengal, VII, p. 1049.  2 Ebßlldßßelßst 
XXI, p. 606. (Note on some sculptures found in the district of Peshawar by 
E. C. Bayley, mit Abbildungen.)
        

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