Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688925
Sassaniden. 
sollen. So gestaltete sich die sassanidische Kunst aus einem Gemisch 
verschiedenartig älterer und neuer Formen und Weisen. Zu einer inner- 
lichen Durchdringung ihrer Aufgabe, zur freien Entfaltung gelangte sie 
aber nicht. Sie begnügte sich mit einer mehr oder weniger derben, zum 
Theil einer etwas unbekümmertcn Angabe des Bezeichnenden, welche den 
Gedanken oder das Gefühl überraschend anregen, zu einer Art poetischer 
Mitthätigkeit aufrufen mochte. Wo es auf feinere Ausbildung ankam, 
nahm sie, wie es scheint, keinen Anstand, wiederum von fremden Mustern 
zu borgen. 
Die Anzahl der erhaltenen und bisher näher bekannt gewordenen 
Denkmäler, wenigstens die der architektonischen, ist gering. Doch lässt 
sich daraus immerhin das Allgemeine des geschichtlichen Entwickelungs- 
ganges erkennen. Zu Anfang scheinen sich jene engeren Anknüpfungen 
an altpersische Elemente, verbunden mit einer allgemeinen Fassung nach 
römischer Art, noch in einer gewissen Strenge geltend zu machen. Bald 
tritt ein kühnes, verwogenes, doch nicht eben von tieferem Lebensgefühl 
oder edlerer Grazie getragenes Wesen ein. An der Bekundung einer 
machtvollen Energie, eines frischen Strebens fehlt es dann nicht, andrer- 
seits aber auch nicht an den Zeugnissen eines durnpferen und roheren 
Sinnes. Lebensgenuss und WVohlgefallen an zierlich buntem Schmuck führt 
in der Spätzeit der sassanidischen Kunst dazu, sich dem üppigen Style 
der byzantinischen Kunst, zu der sich naturgemäss schon ein Wechsel- 
verhältniss ausgebildet hatte, thunlichst nah anzuschliessen.  Die wich- 
tigsten Ueberbleibsel der sassanidisc-hen Kunst, und die Mehrzahl der- 
selben, finden sich im eigentlichen Stammlande Persiens, dem heutigen 
Farsistan, mehrfach zur Seite der altpersischen Reste. Aber auch in an- 
sehnlicher Ferne gen Norden und Nordwesten sind deren als Zeugnisse 
der Ausdehnung der neupersischen Macht erhalten. 
Architektur. 
Von architektonischen Resten scheint nur äusserst Weniges in die 
Anfänge der Sassanidenherrschaft zurückzureichen. Bei den Trünlmern 
der von König Schapur I. im dritten Jahrhundert gegründeten Stadt 
Schapur in Farsistan ist dies vorzugsweise vorauszusetzen; doch sind 
dieselben noch nicht in irgend genügender Weise durchforscht. Zu be- 
merken ist, dass die seltsame Form der Säulenkapitäle mit knieenden 
Doppelstieren, welche im alten Persepolis angewandt war, hier aufgenom- 
men zu sein scheint.  NVichtiger sind die Baulichkeiten von Firuz- 
Ab ad und von Sarbistan (unfern von Schiras), ebenfalls in Farsistan, 
welche etwa aus der' ersten Hälfte des fünften Jahrhunderts, der Epoche 
des Königes Firuz, herrühren. An beiden Orten sind ansehnliche Palast- 
reste erhalten, bemerkenswerth besonders dadurch, dass die Räume in 
ihnen durchweg überwölbt sind, mit Kuppel- und mit Tonnengewölben, 
die in elliptischer Bogenlinie, in kräftiger Construction und in kühner 
Wirkung hoch emporsteigen. Sonst hat die architektonische Formation 
in beiden etwas trocken Schweres und Herbes. Säulen und Halbsäulen
        

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