Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688892
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VIII. 
Die 
altchristliche Kunst. 
auf dem ersten Bilde den David als Jüngling, bei der Heerde sitzend 
und die Lyra spielend; die Melodie, eine anmuthvoll würdige weibliche 
Gestalt, lehnt sich auf seine Schulter; eine männliche Gestalt, den Berg- 
wald von Bethlehem bezeichnend, ruht im Vorgrunde. S0 im zweiten 
Bilde Davids Kampf mit dem Löwen und Bären, wobei die allegorische 
Figur der Stärke ihn unterstützt, während derBerggott, als Jüngling per- 
sonificirt, dem Vorgang bewundernd zuschaut. U. s. w.  Ein Manuscript 
des Jesaias. und ein Menologium aus der Zeit um den Schluss des zehnten 
Jahrhunderts (beide in der vatikanischen Bibliothek zu Rom) reihen sich 
diesen Werken an; das letztere 1 ergeht sich jedoch bereits, der byzan- 
tinischen Sinnesrichtung gemäss, mit Wohlgefallen in der Darstellung; grau- 
samer Märtyrerscenen. Die Ausführung ist, wie der damalige kirchliche 
und weltliche Luxus es verlangte, von höchster Pracht und Zicrlichkeit, 
die Technik ausserordentlich solid und gleichmässig.  In den Miniaturen 
des elften Jahrhunderts verlieren sich jene antiken Elemente. Die Ge- 
stalten werden dürr und hager, die Geberden unnatürlich starr; die Fär- 
bung erscheint greller, die Umrisszeichnung mit schwarzen Linien mar- 
kirt. Doch ist auch aus dieser Zeit und aus dem zwölften Jahrhundert 
noch mancherlei Bemerkenswerthes erhalten, wovon namentlich eine Reihe 
von Manuscripten in der Bibliothek zu Paris und in der des Vatikans 
zu Rom Kimde giebt. Erst seit die Kraft von Byzanz durch jene folgen- 
reiche Eroberung im J. 1204 gebrochen war, sinkt auch der Kunstwerth 
in diesen Arbeiten auf entschiedene Weise, und bald e1'scheinen die 
Schöpfungen, die in ihnen enthalten sind, völlig todt, vertrocknet und 
geistlos. 
Die Tafelmalerei scheint in den eigentlichen Lebenszeitcn der 
altchristlichen Kunst, namentlich der occidentalischen, gar nicht oder doch 
nur in sehr untergeordnetem Maasse zur Anwendung gekommen zu sein. 
Erst in den späteren Zeiten der byzantinischen Kunst begegnen uns Werke 
solcher Art; unter ihnen finden sich somit nur sehr wenige, in denen noch 
ein künstlerisches Lebensgefühl athmet. Im Allgemeinen haben diese Bilder 
einen schweren, dunklen Ton in der Farbe, sind sie ängstlich geistlos 
ausgeführt und mit allerlei Goldputz verbrämt. Als ein noch mit einigem 
Gefühl componirtes Bild ist u. A. eine im christlichen Museum des Va- 
tikans zu Rom befindliche Tafel, welche den Tod des h. Ephraim vor- 
stellt und unter den Gruppen des Hintergrundes (Scenen des Anach0reten- 
lebens) manche ansprechende Motive enthält, namhaft zu machen; sie wird 
dem elften Jahrhundert zugeschrieben; der Verfertiger des Bildes nennt 
sich Emanuel Tzanfurnari. 2 Bei Weitem die meisten der byzanti- 
nischen Tafelgemäldeigewähren Nichts, als die traurige Darlegung eines 
knechtisch gebundenen Sinnes. In jüngerer Zeit ist Manches von den 
Elementen der neubelebten italienischen Kunst dahin übergetragen, so 
dass zuweilen in dem Aeusseren der Oomposition abweichend belebtere 
Motive hervortreten; auf das Innere hat dies nie eine Wirkung ausgeübt. 
Die Wandmalerei hat in den späteren und den heutigen byzanti- 
Denkmäler der Kunst, 
Tafel 37, Figur 12. 
peint. 
2 D1 Agincourt,
        

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