Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688858
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VIII. 
Die altchristliche Kunst. 
am Fuss zwölf von den Aeltesten der Offenbarung. Erhalten ist nur eine 
sehr ungenügende Abbildung dieses Werkes. 1 
 Anderweit erscheint unter Karl d. G-r. die Wandmalerei in eif- 
rigster PHege. Sein Palast in Aachen, die Pfalz von Ing elheim und 
die Basilika derselben waren mit einer überaus grossen Fülle von Wand- 
gemälden versehen. 2 Diese waren durch ihre Gegenstände von Bedeu- 
tung, in der Basilika Scenen des alten und neuen Testaments in entspre- 
chender Ge enüberstellun , in den Palästen Darstellungen geschichtlichen 
Inhalts, zum? Theil aus dfr fränkischen und aus Karls eigener Geschichte. 
Ein würdiger, seiner selbst bewusster Sinn erhellt schon aus den Berichten 
über diese Werke. 
Ein gewichtiges Zeugniss für die Kunstptlege Karls d. Gr. sind so- 
dann die Miniaturmalereien der. auf seinen Befehl geschriebenen hei- 
ligen Bücher. Von diesen sind mehrere erhalten, ebenso von Bilderhand- 
Schriften seiner Nachfolger; es bekundet sich hiemit eine fränkische 
Malersehule von eigenthiimlicher Richtung und Ausbildung. Vor der 
näheren Angabe der letzteren ist jedoch von einigen andern Schulen der 
Miniaturmalerei zu sprechen. 
Zunächst von der irischen, in welcher die schon in der vorigen 
Periode (S. 243) begründete Darstellungs- und Behandlun sweise eine leb- 
hafte Folge Endet. Der nordisch nationellc Sinn behauptät sich hier noch 
in entschiedenster Weise, in dem kunstreichen Phan- 
J omcxßßqnä f tasiespiel der Ornamentik, welche diedtänder und die 
W F3 K, grossen Buchstaben zu Anfang der einzelnen Bücher 
{  "nä! äfullltä wie iln delrl blarbariächeml fabellätft Süllelllättlljßllßn 
i   ewewr- m 1 ung er e' igen esta ten. s ist eine iinst- 
i,  lerische Schule, welche das aus einer primitiven Stufe 
f  i Ueberkommene mit Absicht festhält und mit Sorgfalt 
  durchbildet und selbst aus dem völligen Mangel an 
_ Befähigung zur Auffassun der er anisehen Gestalt eine 
 Art kiiianstiierischen Gesetges macgt. Ausser den Bei- 
W spielen, Welche die englischen Bibliotheken an Werken 
f Z der Art aus dem achten bis zehnten Jahrhundert be- 
  sitzen, 3 finden sich einige auch in der Bibliothek des 
i, i? g-_l ehemaligen Klosters St. Gallen, einer alt-irischen Stif- 
  tungß  Sodann ist der Schule der angelsächsi- 
König- Davm waches sehen Miniaturmaler zu gedenken, welche von der iri- 
Miniaiurbild- sehen Kunst die Weise der Ornamentik, wenn auch 
  ohne die. oft staunenswurdige Feinheit der letzteren, 
beilLehagllteiä, 111 12cm Figurhähen siäh abter den sonst gültigen Typen der 
alte ris ic en unst, in eren yzan inisirender Fassun zuwenden. 
Eigenthümlich ist den Gewändern ihrer Gestalten etwas Hästiges, Kiiit- 
 
"l Bei Ciampini, vetera. monimenta, II, t. XLI.  2 Ermoldus Nigellus, 
1. IV, pag. 181 etc.  3 J. O. Westwood, on miniatures in irish ill. mss. 
(Archaeological journal, N0.   4 F. J. Mone, Anzeiger zur Kunde der 
teutschen Vorzeit, IV, S. 491, T. IV, 1. Waagen, deutsches Kunstblatt, 
1850, s. a3, f.
        

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