Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688838
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VIII. 
Die 
altchristliche Kunst. 
der Thür war das Bild des Heilandes aus vergoldetem Silberblech auf- 
gestellt. Eine der Kanzeln des Chores hatte ein silbernes Lesepult. Unter 
dem Triumphbogen war ein Querbalken angebracht, mit einer 1352 Pfund 
schweren- Silberbekleidung; darauf stand das Bild des Heilandes. In dem 
einen Flügel des Querschiffes war ein eignes Baptisterium (durch Leo III. 
an der Stelle eines älteren erbaut); inmitten des Taufbeckens, das von 
Porphyrsäulen umgeben war, stand ein silbernes Lamm auf einer Säule, 
dem das WVasser entströmte. Der Altar des Baptisteriums war mit Gold- 
blech, 48 Pfund schwer, belegt; darüber war ein mit Silber bekleideter 
Balken angebracht, der verschiedene Figuren aus demselben Metall trug. 
Andre Nebenaltäre der Kirche hatten ähnlichen Schmuck. Zwischen dem 
Chor und dem Zugange zur Krypta war der Boden der Kirche mit Silber- 
platten belegt. Vor diesem Zugange stand eine Reihe Säulen, ihr Gebälk 
wiederum mit Silberplatten, in denen bildliche Darstellungen gearbeitet 
waren, bekleidet. Darauf standen silberne Lampen und Leuchter, 700 
Pfund schwer. Die Krypta war mit einer Menge der kostbarsten Geräthe 
und Bildwerke von Gold und Silber angefüllt, sogar der Fussboden mit 
Goldplatten, 453 Pfund an Gewicht, belegt. Der Hauptaltar der Kirche 
hatte eine Bekleidung von Goldblech, 597 Pfund schwer; darauf waren 
heilige Geschichten gebildet. Auf dem Altar stand ein grosses silbernes 
Ciborium von 2015 Pfund. Zur Seite des Altars war die Stelle des Ti- 
sches für die heiligen Gefässe; Karl der Grosse hatte zu diesem Zweck 
einen goldnen Tisch n1it Gefässen von entsprechender Pracht geschenkt. 
Ausserdem gehörte zum Schmuck der Kirche eine grosse Menge prächti- 
ger Teppiche aus den kostbarsten seidenen Stoffen oder aus Purpur, oft 
mit eingestiekten Figuren. Zum Theil dienten diese zur Bedeckung der 
Altäre; zum Theil, und vornehmlich, hatten sie die Bestimmung, zwischen 
den Säulenreihen der Schiffe aufgehängt zu werden.  Aehnlich reiche 
Zierden hatten, wie bemerkt, auch die andern Hauptkirchen Roms. Aber 
so unermessliche Schätze waren nur zu sehr geeignet, die Begier der 
Feinde zu reizen. Schon im Jahr 846 wurden die Peterskirche und die 
Paulskirche durch die Sarazenen geplündert. Zwar strebte man eifrig, 
das Verlorne zu ersetzen; doch noch im Verlaufe desselben Jahrhunderts 
entschwand der alte Glanz der römischen Kirchen immer mehr.  Von 
den gleichfalls unermesslichen Schätzen, welche sich in den Kirchen von 
Constantinopel angesammelt hatten, geben die Berichte über die Er- 
oberung der Stadt durch die Lateiner im J. 1204 und die Wehklagen der 
griechischen Schriftsteller über die dabei erfolgte Plünderung eine nicht 
minder deutliche Kunde. 
Ein erhaltenes Prachtwerk, der ersten Hälfte des neunten Jahrhun- 
derts angehörig, ist die Bekleidung des Hochaltares von S. Ambrogio zu 
Mailand, 1 aus goldnen und vergoldet silbernen Platten bestehend, welche 
eine Menge getriebener Darstellungen, heilige Figuren, biblische und le- 
gendarische Scenen, in reich schmückenden Einfassungen enthalten. Der 
Meister des Werkes nennt sich mit germanischem Namen, Wolvinus. 
1 Düigincourt, Sculptur, 
AuSg-v 
ital. 
deutsche
        

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